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Sabiha Gokcen

Sabiha Gökçen: Die erste Kampfpilotin der Welt & Atatürks Tochter

5 Min. Lesezeit Aktualisiert: December 15, 2025

Wer heute in Istanbul landet, betritt oft Boden, der ihren Namen trägt: Sabiha Gökçen. Für Millionen Reisende ist es nur der Name des zweiten Flughafens der Metropole. Doch hinter den Leuchtbuchstaben verbirgt sich eine der faszinierendsten Biografien der modernen Geschichte. Sie war nicht nur eine der acht Adoptivtöchter von Mustafa Kemal Atatürk, sondern eine Frau, die alle Grenzen ihrer Zeit sprengte.

In einer Ära, in der Frauen in vielen Teilen der Welt noch um Grundrechte kämpften, stieg sie in ein Cockpit und schrieb Weltgeschichte. Sie wurde die erste Kampfpilotin der Welt – eine Leistung, die ihr einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde und auf den Postern der US Air Force einbrachte. Dies ist die wahre Geschichte eines Waisenkindes, das zur Legende des Himmels wurde.

Sabiha Gökcen Uniform

Vom Waisenkind zur Tochter des Staatsgründers

Sabiha kam am 22. März 1913 in Bursa zur Welt. Ihre Kindheit war von Verlusten geprägt; sie verlor ihre Eltern, Mustafa İzzet Bey und Hayriye Hanım, bereits in jungen Jahren und wuchs bei ihrem älteren Bruder Neşet auf. Ihr Leben änderte sich schlagartig im Jahr 1925, als Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der türkischen Republik, Bursa besuchte.

Die erst 12-jährige Sabiha fasste sich ein Herz und trat vor den Präsidenten. Ihr Wunsch war so simpel wie kraftvoll: Sie wollte studieren. Atatürk, berührt von ihrem Mut und ihren schwierigen Lebensumständen, adoptierte sie mit der Zustimmung ihres Bruders und holte sie nach Ankara. Sie besuchte fortan prestigeträchtige Schulen wie das Arnavutköy American Girls College und die Üsküdar American Academy.

Interessantes Detail: Den Nachnamen „Gökçen” erhielt sie von Atatürk bereits am 19. Dezember 1934 – Monate bevor sie überhaupt ihre Flugausbildung begann. „Gök” bedeutet auf Türkisch „Himmel”. Es war, als hätte Atatürk ihre Zukunft bereits erahnt.

Der Ruf des Himmels: Eine Pionierin hebt ab

Im Mai 1935 nahm Atatürk Sabiha zur Eröffnung der Flugschule Türkkuşu (Türkischer Vogel) mit. Als sie Fallschirmspringer und Segelflieger beobachtete, entflammte ihre Leidenschaft. Atatürk bemerkte ihre Begeisterung und sagte: „Der Himmel steht dir gut.” Kurz darauf begann sie ihre Ausbildung.

Ihr Talent war unbestreitbar. Sie wurde mit sieben männlichen Kameraden zur Weiterbildung auf die Krim (damals UdSSR) geschickt, um dort Hochleistungssegelflug zu trainieren. Zwar plante sie, auch die dortige Motorflugschule zu besuchen, doch der plötzliche Tod ihrer Adoptivschwester Zehra zwang sie zur vorzeitigen Rückkehr in die Türkei.

Sabiha Gökcen Flugzeug

Die erste Kampfpilotin der Welt

Atatürk hatte jedoch größere Pläne für sie. Er wollte beweisen, dass türkische Frauen jede Rolle in der Gesellschaft übernehmen konnten – auch die militärische. Da Frauen damals noch nicht an den Militärakademien zugelassen waren, erhielt Sabiha eine Sondergenehmigung und eine spezielle Uniform. 1936 trat sie in die Militärflugschule Eskişehir ein.

Elf Monate lang wurde sie genauso hart trainiert wie ihre männlichen Kollegen. Am 25. Februar 1936 flog sie erstmals ein Motorflugzeug. Ihre Ausbildung gipfelte in ihrer Teilnahme an militärischen Manövern in Thrakien und der Ägäis. 1937 schrieb sie Geschichte: Als Pilotin nahm sie an der Militäroperation in Tunceli (Dersim) teil und wurde damit offiziell zur ersten weiblichen Kampfpilotin der Welt.

Ähnlich wie Halide Edip Adıvar, die auf politischer und literarischer Ebene kämpfte, wurde Sabiha Gökçen zum ultimativen Symbol der modernen türkischen Frau, die sich in traditionellen Männerdomänen behauptete.

Ein Leben voller Auszeichnungen

Sabiha Gökçens Karriere endete nicht in den 1930er Jahren. Sie flog insgesamt über 8.000 Stunden und absolvierte 32 Kampfeinsätze. Ihr Name wurde international bekannt und respektiert.

Zu ihren bedeutendsten Ehrungen gehören:

  • Die FAI Goldmedaille (1991): Verliehen von der Fédération Aéronautique Internationale für herausragende Leistungen in der Luftfahrt.
  • The Eagles (1996): Bei einer Zeremonie auf der Maxwell Air Base in den USA wurde sie als einer der „20 Flieger, die Weltgeschichte schrieben” geehrt. Sie war die einzige Frau auf dem Poster dieser Legenden.
  • Orden des Weißen Adlers: Die höchste militärische Auszeichnung Jugoslawiens.

Ihren letzten Flug absolvierte sie im Alter von 83 Jahren. 1996 stieg sie in Begleitung des französischen Piloten Daniel Acton in eine Falcon 2000 und bewies ein letztes Mal, dass ihre Leidenschaft für das Fliegen kein Alter kannte.

Das Erbe: Flughafen Sabiha Gökçen

Flughafen Sabiha Gökcen Istanbul

Sabiha Gökçen verstarb am 22. März 2001, genau an ihrem 88. Geburtstag, in Ankara. Doch kurz vor ihrem Tod wurde ihr eine Ehre zuteil, die ihren Namen unsterblich machte. Im Januar 2001 eröffnete Istanbul seinen zweiten internationalen Flughafen auf der asiatischen Seite und benannte ihn nach ihr.

Heute ist der Sabiha Gökçen International Airport (SAW) eines der wichtigsten Drehkreuze der Region. Er verbindet nicht nur Reisende mit der Welt, sondern erinnert täglich an eine Frau, die bewies, dass der Himmel keine Grenzen kennt. Wenn Sie das nächste Mal dort landen – vielleicht für einen Urlaub oder um Gleitschirmfliegen in der Türkei zu erleben – denken Sie an die Pionierin, die den Weg für so viele geebnet hat.

Ihr Leben bleibt eine Inspiration, besonders an nationalen Gedenktagen, wie den Feiertagen in der Türkei, an denen die Errungenschaften der Republik gefeiert werden.

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