Yunus Emres Gedichte: Acht vollständige Texte auf Türkisch und Deutsch
Acht seiner Gedichte im Türkisch der alten Handschriften, mit Aussprachehilfe und unserer deutschen Übersetzung. Dazu seine Lieblingswörter, seine Legenden und seine vielen Gräber.
Inhaltsverzeichnis

Yunus Emre starb um 1320. Seine geistlichen Lieder werden seither von Anatolien bis zum Balkan gesungen. Hier finden Sie acht seiner Gedichte vollständig, im Türkisch der ältesten Handschriften, mit einer Aussprachehilfe zu jeder Zeile und unserer eigenen deutschen Übersetzung. Danach folgen die Wörter, auf die er immer wieder zurückkam, die Legenden über sein Leben und die elf Städte, die jeweils sein Grab für sich beanspruchen.
Kurz gefasst
Ein Derwisch, der in einfachem Türkisch schrieb.
- Wer: ein Sufi-Dichter aus Zentralanatolien, der laut der einzigen datierten Notiz zu seinem Leben 1320–21 starb. Fast alles andere ist Legende.
- Zum Einstieg: ‘Işkun aldı benden beni (Nur dich) und das Gedicht mit der Zeile „Kommt, lasst uns einander kennenlernen“.
- Vollständig lesen: unten acht Gedichte aus Mustafa Tatcıs kritischer Ausgabe, mit Aussprachehilfe und unserer deutschen Übersetzung, Zeile für Zeile.
- Vorsicht: „Yaratılanı severiz, Yaratandan ötürü“ wird ihm überall zugeschrieben, gehört aber nicht zu den 417 Gedichten dieser Ausgabe.
- Sein Grab: Elf Orte in der Türkei beanspruchen es für sich. Die ältesten Quellen weisen auf Sarıköy, heute Yunusemre, in Eskişehir hin.
Die Gedichte, vollständig
Wählen Sie ein Gedicht nach seinem Thema. Jede Zeile zeigt den türkischen Text wie in der Ausgabe, eine Aussprachehilfe für deutschsprachige Leser und unsere deutsche Übersetzung. Blenden Sie die Ebenen aus, die Sie nicht brauchen. Mit „Anhören“ hören Sie den türkischen Text, sofern Ihr Gerät eine türkische Stimme hat.
Liebe · Gedicht 381
‘Işkun aldı benden beni Nur dich
Sein bekanntestes Liebesgedicht: Jede Strophe kehrt zur selben Zeile zurück, wie in einem geistlichen Lied.
‘Işkun aldı benden beniəsch-kun al-də ben-den be-niDeine Liebe hat mich mir selbst genommen:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
Ben yanaram düni güniben ja-na-ram dü-ni gü-niIch brenne Tag und Nacht:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
Ne varlıga sevinüremne war-lə-ga se-wi-nü-remBesitz macht mich nicht froh,
Ne yokluga yirinüremne jok-lu-ga ji-ri-nü-remMangel macht mich nicht traurig;
‘Işkunıla avınuraməsch-ku-nə-la a-wə-nu-ramdeine Liebe tröstet mich:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
‘Işkun ‘âşıklar öldürürəsch-kun a-schək-lar öl-dü-rürDeine Liebe tötet die Liebenden,
‘Işk denizine taldururəschk de-ni-si-ne tal-du-rursie lässt sie ins Meer der Liebe tauchen
Tecellîyile toldururte-dschel-li-ji-le tol-du-rurund erfüllt sie mit deiner Offenbarung:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
‘Işkun zencîrini üzeməsch-kun sen-dschi-ri-ni ü-semLass mich die Kette deiner Liebe zerreißen,
Delü olam taga düşemde-lü o-lam ta-ga dü-schemwahnsinnig werden und in die Berge ziehen;
Sensin dün ü gün endîşemsen-sin dün ü gün en-di-schemTag und Nacht bist du mein Gedanke:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
Eger beni öldürelere-ger be-ni öl-dü-re-lerWenn sie mich töten
Külüm göge savuralarkü-lüm gö-ge sa-wu-ra-larund meine Asche in den Himmel streuen,
Topragum anda çaguratop-ra-gum an-da tscha-gu-rawird mein Staub dort rufen:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
Sûfîlere sohbet gereksu-fi-le-re soch-bet ge-rekSufis brauchen ihre Zusammenkünfte,
Ahîlere âhret gereka-hi-le-re ach-ret ge-rekAhi-Brüder brauchen das Jenseits,
Mecnûn'lara Leylâ gerekmedsch-nun-la-ra lej-la ge-rekjeder Madschnun braucht seine Laila:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
Ne Tamu'da yir eyledümne ta-mu-da jir ej-le-dümIch habe mir keinen Platz in der Hölle geschaffen,
Ne Uçmak'da köşk bagladumne utsch-mak-da köschk bag-la-dumkeinen Palast im Paradies gebaut;
Senün içün çok agladumse-nün i-tschün tschok ag-la-dumich habe so viel um dich geweint:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
Cennet Cennet didükleridschen-net dschen-net di-dük-le-riDas Paradies, von dem sie immer reden
Bir ev ile bir kaç Hûrîbir ew i-le bir katsch hu-riist ein Haus und ein paar Huris;
İsteyene virgil anıis-te-je-ne wir-gil a-nəgib es denen, die es wollen:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
Yûsuf eger hayâlüniju-suf e-ger ha-ja-lü-niWenn Josef dein Bild
Düşde göreydi bir gicedüsch-de gö-rej-di bir gi-dscheeines Nachts im Traum gesehen hätte,
Terk ideyidi mülklerinterk i-de-ji-di mülk-le-rinhätte er seine Reiche verlassen:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
Yûnus çagururlar adumju-nus tscha-gu-rur-lar a-dumYunus nennen sie mich;
Gün geçdükçe artar odumgün getsch-dük-tsche ar-tar o-dummein Feuer wächst mit jedem Tag.
İki cihânda maksûdumi-ki dschi-han-da mak-su-dumMein Verlangen in beiden Welten:
Bana seni gerek seniba-na se-ni ge-rek se-nidich brauche ich, nur dich.
Türkisch: Mustafa Tatcıs kritischer Text, Gedicht 381, mit den dort aufgeführten Abschriften: F. 201b, T. 86b, NO. 186a, HB. 13a, YE. 90a, Ç. 82a, A. 28. Aussprachehilfe und Übersetzung: Turkpidya.
Freundschaft · Gedicht 103
Hak cihâna toludur kimsene Hakk'ı bilmez Gott erfüllt die Welt
Das Gedicht mit der Zeile „Kommt, lasst uns einander kennenlernen“, die das Yunus-Emre-Institut zu seinem Leitspruch gemacht hat.
Hak cihâna toludur kimsene Hakk'ı bilmezhak dschi-ha-na to-lu-dur kim-se-ne hak-kə bil-mesGott erfüllt die Welt, doch niemand kennt Gott.
Anı sen senden iste o senden ayru olmaza-nə sen sen-den is-te o sen-den aj-ru ol-masSuche ihn in dir selbst: Er ist nie von dir getrennt.
Dünyâyı inanursın rızka benümdür dirsindün-ja-jə i-na-nur-sən rəs-ka be-nüm-dür dir-sinDu vertraust der Welt und sagst über deinen Lebensunterhalt: „Er gehört mir“.
Niçün yalan söylersin çün hîç didügün olmazni-tschün ja-lan söj-ler-sin tschün hitsch di-dü-gün ol-masWarum lügst du, wenn doch nichts von dem geschieht, was du sagst?
Âhret yavlak ırakdur togrulık key yarakdurach-ret jaw-lak ə-rak-dur tog-ru-lək kej ja-rak-durDas Jenseits ist sehr fern; Aufrichtigkeit ist guter Proviant für den Weg.
Ayrulık sarp firâkdur hîç giden girü gelmezaj-ru-lək sarp fi-rak-dur hitsch gi-den gi-rü gel-mesTrennung ist ein harter Abschied: Wer geht, kommt nie zurück.
Dünyâya gelen göçer bir bir şerbetin içerdün-ja-ja ge-len gö-tscher bir bir scher-be-tin i-tscherWer in die Welt kommt, zieht weiter; einer nach dem anderen trinkt ihren Trank.
Bu bir köpridür geçer câhiller anı bilmezbu bir köp-ri-dür ge-tscher dscha-hil-ler a-nə bil-mesSie ist eine Brücke, die man überquert: Die Unwissenden wissen es nicht.
Gelün tanşuk idelüm işi kolay tutalumge-lün tan-schuk i-de-lüm i-schi ko-laj tu-ta-lumKommt, lasst uns einander kennenlernen, lasst uns die Dinge leicht machen.
Sevelüm sevilelüm dünyâ kimseye kalmazse-we-lüm se-wi-le-lüm dün-ja kim-se-je kal-masLasst uns lieben und geliebt werden: Die Welt bleibt niemandem.
Yûnus sözin anlarsan söz ma'nîsin dinlersenju-nus sö-sin an-lar-san sös ma-ni-sin din-ler-senWenn du Yunus’ Worte verstehst, wenn du auf ihren Sinn hörst,
Sana bir ‘amel gerek bunda kimsene kalmazsa-na bir a-mel ge-rek bun-da kim-se-ne kal-masbrauchst du gute Taten: Hier bleibt niemand.
Türkisch: Mustafa Tatcıs kritischer Text, Gedicht 103, mit den dort aufgeführten Abschriften: F. 95b, T. 24b, NO. 192b, A. 9. Aussprachehilfe und Übersetzung: Turkpidya.
Wissen · Gedicht 91
‘İlim ‘ilim bilmekdür ‘ilim kendin bilmekdür Sich selbst erkennen
Lesen ist nichts wert, wenn man sich selbst nicht kennt; ein Herz ist mehr wert als tausend Pilgerfahrten.
‘İlim ‘ilim bilmekdür ‘ilim kendin bilmekdüri-lim i-lim bil-mek-dür i-lim ken-din bil-mek-dürWissen heißt erkennen; Wissen heißt sich selbst erkennen.
Sen kendüni bilmezsin yâ niçe okumakdursen ken-dü-ni bil-mes-sin ja ni-tsche o-ku-mak-durWenn du dich selbst nicht kennst, wozu dann all dein Lesen?
Okumakdan ma'nî ne kişi Hakk'ı bilmekdüro-ku-mak-dan ma-ni ne ki-schi hak-kə bil-mek-dürWas ist der Sinn des Lesens? Gott zu erkennen.
Çün okudun bilmezsin hâ bir kurı emekdürtschün o-ku-dun bil-mes-sin ha bir ku-rə e-mek-dürWenn du gelesen hast und doch nicht erkennst, ist die Mühe vergebens.
Okıdum bildüm dime çok tâ‘at kıldum dimeo-kə-dum bil-düm di-me tschok ta-at kəl-dum di-meSag nicht: „Ich habe gelesen, ich weiß“; sag nicht: „Ich habe so viel gebetet“.
Eri Hak bilmezisen ‘abes yire yilmekdüre-ri hak bil-me-si-sen a-bes ji-re jil-mek-dürWenn du die wahren Gottesfreunde nicht erkennst, läufst du vergebens.
Dört kitâbun ma'nîsi bellüdür bir elifdedört ki-ta-bun ma-ni-si bel-lü-dür bir e-lif-deDer Sinn der vier heiligen Bücher wird in einem einzigen Buchstaben deutlich, im Alif.
Sen elif dirsün hoca ma‘nîsi ne dimekdürsen e-lif dir-sün ho-dscha ma-ni-si ne di-mek-dürDu sagst „Alif“, Lehrer: Was bedeutet es?
Yûnus Emre dir hoca gerekse var bin haccaju-nus em-re dir ho-dscha ge-rek-se war bin hadsch-dschaYunus Emre sagt, Lehrer: Geh ruhig auf tausend Pilgerfahrten;
Hepisinden eyüce bir gönüle girmekdürhe-pi-sin-den e-jü-dsche bir gö-nü-le gir-mek-dürbesser als sie alle ist es, den Weg in ein Herz zu finden.
Türkisch: Mustafa Tatcıs kritischer Text, Gedicht 91, mit den dort aufgeführten Abschriften: Rt. 15a. Aussprachehilfe und Übersetzung: Turkpidya.
Das Herz · Gedicht 166
Bir kez gönül yıkdunısa bu kıldugun namâz degül Ein gebrochenes Herz
Ein Gebet bedeutet nichts, wenn man ein Herz gebrochen hat. Eine gute Tat zählt wie tausend.
Bir kez gönül yıkdunısa bu kıldugun namâz degülbir kes gö-nül jək-du-nə-sa bu kəl-du-gun na-mas de-gülWenn du auch nur einmal ein Herz gebrochen hast, ist dein Gebet kein Gebet;
Yitmiş iki millet dahı elin yüzin yumaz degüljit-misch i-ki mil-let da-hə e-lin jü-sin ju-mas de-gülalle zweiundsiebzig Völker könnten dir Hände und Gesicht nicht rein waschen.
Erenler gelüp geçdiler dünyâyı koyup göçdilere-ren-ler ge-lüp getsch-di-ler dün-ja-jə ko-jup götsch-di-lerDie Heiligen kamen und gingen; sie ließen die Welt zurück und zogen weiter.
Havâya agup uçdılar bular hümâdur kaz degülha-wa-ja a-gup utsch-də-lar bu-lar hü-ma-dur kas de-gülSie stiegen in die Luft und flogen: Sie sind Glücksvögel, keine Gänse.
Cân odur kim Hak'a ire ayak odur yola giredschan o-dur kim ha-ka i-re a-jak o-dur jo-la gi-reEine Seele ist, was Gott erreicht; ein Fuß ist, was den Weg beschreitet.
Er oldur alçakda tura yüksekden bakan göz degüler ol-dur al-tschak-da tu-ra jük-sek-den ba-kan gös de-gülEin wahrer Mensch hält sich niedrig, er ist kein Auge, das von oben herabblickt.
Münkir ile müdde'îyi sayma buçuga koyanımün-kir i-le müd-de-i-ji saj-ma bu-tschu-ga ko-ja-nəZähle die Leugner und die Anmaßenden nicht einmal als einen halben,
Git ahûra tak buları her kim (ki) 'âşık-bâz degülgit a-hu-ra tak bu-la-rə her kim ki a-schək bas de-gülgeh und binde sie im Stall an, alle, die keine Liebenden sind.
Togrı yola gitdünise er etegin tutdunısatog-rə jo-la git-dü-ni-se er e-te-gin tut-du-nə-saWenn du den geraden Weg gegangen bist und dich am Saum eines guten Menschen festgehalten hast,
Bir hayır da itdünise birine bindür az degülbir ha-jər da it-dü-ni-se bi-ri-ne bin-dür as de-gülund auch nur eine gute Tat getan hast, zählt sie tausendfach, das ist nicht wenig.
Yûnus bu sözleri çatar sanki balı yaga katarju-nus bu sös-le-ri tscha-tar san-ki ba-lə ja-ga ka-tarYunus fügt diese Worte zusammen, als mischte er Honig mit Butter;
Halka metâ‘ların satar yüki güherdüz tuz degülhal-ka me-ta-la-rən sa-tar jü-ki gü-her-düs tus de-güler verkauft den Menschen seine Waren, seine Last sind Juwelen, kein Salz.
Türkisch: Mustafa Tatcıs kritischer Text, Gedicht 166, mit den dort aufgeführten Abschriften: YE. 54a, A. 12. Aussprachehilfe und Übersetzung: Turkpidya.
Worte · Gedicht 102
Keleci bilen kişinün yüzini ag ide bir söz Ein Wort
Sieben Zweizeiler darüber, was ein einziges Wort bewirken kann: einen Krieg beenden, einen Kopf kosten, Gift in Honig verwandeln.
Keleci bilen kişinün yüzini ag ide bir sözke-le-dschi bi-len ki-schi-nün jü-si-ni ag i-de bir sösEin Wort kann das Gesicht eines Menschen zum Strahlen bringen, der zu reden weiß;
Sözi bişürüp diyenün işini sag ide bir sözsö-si bi-schü-rüp di-je-nün i-schi-ni sag i-de bir sösein Wort kann das Tun dessen zum Guten wenden, der seine Worte vor dem Sprechen garen lässt.
Söz ola kese savaşı söz ola bitüre başısös o-la ke-se sa-wa-schə sös o-la bi-tü-re ba-schəEin Wort kann einen Krieg beenden, ein Wort kann einen Kopf kosten;
Söz ola agulu aşı balıla yag ide bir sözsös o-la a-gu-lu a-schə ba-lə-la jag i-de bir sösein Wort kann ein vergiftetes Mahl in Honig und Butter verwandeln.
Kelecilerün bişürgil yaramazunı şeşürgilke-le-dschi-le-rün bi-schür-gil ja-ra-ma-su-nə sche-schür-gilLass deine Worte garen und löse die unbrauchbaren heraus;
Sözün usıla düşürgil dimegil çag ide bir sözsö-sün u-sə-la dü-schür-gil di-me-gil tschag i-de bir söswähle deine Worte mit Verstand, sprich keines zur falschen Zeit.
Gel ahî iy şehriyâri sözümüzi dinle bârigel a-hi ij schech-ri-ja-ri sö-sü-mü-si din-le ba-riKomm, Bruder, mein Fürst, hör wenigstens unseren Worten zu:
Hezâr gevher ü dînârı kara toprag ide bir sözhe-sar gew-her ü di-na-rə ka-ra top-rag i-de bir sösein Wort kann tausend Juwelen und Goldmünzen in schwarze Erde verwandeln.
Kişi bile söz demini dimeye sözün keminiki-schi bi-le sös de-mi-ni di-me-je sö-sün ke-mi-niMan soll den rechten Augenblick für ein Wort kennen und kein böses sprechen;
Bu cihân Cehennem'ini sekiz uçmag ide bir sözbu dschi-han dsche-hen-ne-mi-ni se-kis utsch-mag i-de bir sösein Wort kann die Hölle dieser Welt in die acht Paradiese verwandeln.
Yüri yüri yolunıla gâfil olma bilünilejü-ri jü-ri jo-lu-nə-la ga-fil ol-ma bi-lü-ni-leGeh weiter, bleib auf deinem Weg und achte auf die Begierden deines Körpers;
Key sakın key dilünile cânına dâg ide bir sözkej sa-kən kej di-lü-ni-le dscha-nə-na dag i-de bir söshüte, hüte vor allem deine Zunge: Ein Wort kann deiner Seele ein Brandmal zufügen.
Yûnus imdi söz yatından söyle sözi gâyetindenju-nus im-di sös ja-tən-dan söj-le sö-si ga-je-tin-denYunus, sprich nun, wie ein Wort gesprochen werden soll, und sprich es bis zu Ende;
Key sakın o şeh katından seni ırag ide bir sözkej sa-kən o schech ka-tən-dan se-ni ə-rag i-de bir sössei sehr achtsam: Ein Wort kann dich weit aus der Gegenwart jenes Königs entfernen.
Türkisch: Mustafa Tatcıs kritischer Text, Gedicht 102, mit den dort aufgeführten Abschriften: F. 94b, T. 24a, YE. 42b, DAY. 75. Aussprachehilfe und Übersetzung: Turkpidya.
Sehnsucht · Gedicht 270
Taşdun yine deli gönül sular gibi çaglar mısın Verrücktes Herz
Ein Reisender fern der Heimat spricht mit seinem Herzen, seinen Tränen, den verschneiten Bergen und den Wolken.
Taşdun yine deli gönül sular gibi çaglar mısıntasch-dun ji-ne de-li gö-nül su-lar gi-bi tschag-lar mə-sənWieder bist du übergelaufen, verrücktes Herz: Wirst du rauschen wie die Flüsse?
Akdun yine kanlu yaşum yollarumı baglar mısınak-dun ji-ne kan-lu ja-schum jol-la-ru-mə bag-lar mə-sənWieder fließt ihr, meine blutigen Tränen: Werdet ihr meine Wege versperren?
N'idem elüm irmez yâre bulınmaz derdüme çâreni-dem e-lüm ir-mes ja-re bu-lən-mas der-dü-me tscha-reWas soll ich tun? Meine Hand erreicht den Geliebten nicht, es gibt kein Heilmittel für meinen Schmerz;
Oldum ilümden âvâre beni bunda egler misinol-dum i-lüm-den a-wa-re be-ni bun-da eg-ler mi-sinich bin ein Wanderer fern der Heimat geworden: Wirst du mich hier festhalten?
Yavu kıldım ben yoldaşı onulmaz bagrumun başıja-wu kəl-dəm ben jol-da-schə o-nul-mas bag-ru-mun ba-schəIch habe meinen Gefährten verloren, die Wunde in meinem Herzen heilt nicht;
Gözlerümün kanlu yaşı ırmag olup çaglar mısıngös-le-rü-mün kan-lu ja-schə ər-mag o-lup tschag-lar mə-sənblutige Tränen meiner Augen, werdet ihr zum Fluss und rauschen?
Ben toprak oldum yoluna sen aşuru gözedürsinben top-rak ol-dum jo-lu-na sen a-schu-ru gö-se-dür-sinIch bin auf deinem Weg zu Staub geworden, und du schaust aus der Ferne zu;
Şu karşuma gögüs gerüp taş bagırlu taglar mısınschu kar-schu-ma gö-güs ge-rüp tasch ba-gər-lu tag-lar mə-sənseid ihr die Berge mit steinernen Herzen, die sich mir mit geschwellter Brust entgegenstellen?
Harâmî gibi yoluma arkurı inen karlu tagha-ra-mi gi-bi jo-lu-ma ar-ku-rə i-nen kar-lu tagVerschneiter Berg, der du wie ein Räuber quer auf meinem Weg liegst,
Ben yârümden ayru düşdüm sen yolumı baglar mısınben ja-rüm-den aj-ru düsch-düm sen jo-lu-mə bag-lar mə-sənich bin von meinem Geliebten getrennt: Wirst du meinen Weg versperren?
Karlu taglarun başında salkım salkım olan bulutkar-lu tag-la-run ba-schən-da sal-kəm sal-kəm o-lan bu-lutWolken, die ihr in dichten Trauben über den verschneiten Gipfeln hängt,
Saçun çözüp benüm içün yaşın yaşın aglar mısınsa-tschun tschö-süp be-nüm i-tschün ja-schən ja-schən ag-lar mə-sənwerdet ihr euer Haar lösen und in Strömen um mich weinen?
Esridi Yûnus'un cânı yoldayım illerüm kanıes-ri-di ju-nu-sun dscha-nə jol-da-jəm il-le-rüm ka-nəYunus’ Seele ist im Rausch: Ich bin unterwegs, wo ist meine Heimat?
Yûnus düşde gördi seni sayru mısın saglar mısınju-nus düsch-de gör-di se-ni saj-ru mə-sən sag-lar mə-sənYunus sah dich im Traum: Bist du krank, bist du gesund?
Türkisch: Mustafa Tatcıs kritischer Text, Gedicht 270, mit den dort aufgeführten Abschriften: RY. (Mecmûa) 46a. Aussprachehilfe und Übersetzung: Turkpidya.
Tod · Gedicht 74
Sabâhın sinlere vardum gördüm cümle ölmiş yatur Im Morgengrauen an den Gräbern
Er geht im Morgengrauen zwischen den Gräbern umher und betrachtet die Toten: Auch wir werden an der Reihe sein.
Sabâhın sinlere vardum gördüm cümle ölmiş yatursa-ba-hən sin-le-re war-dum gör-düm dschüm-le öl-misch ja-turIm Morgengrauen ging ich zu den Gräbern und sah sie alle tot daliegen;
Her biri bî-çâre olup ‘ömrin yavı kılmış yaturher bi-ri bi tscha-re o-lup öm-rin ja-wə kəl-məsch ja-turjeder liegt dort hilflos, sein Leben verloren.
Vardum bunlarun katına bakdum ecel heybetinewar-dum bun-la-run ka-tə-na bak-dum e-dschel hej-be-ti-neIch trat zu ihnen und sah die furchtbare Macht des Todes:
Niçe yigit murâdına irememiş ölmiş yaturni-tsche ji-git mu-ra-də-na i-re-me-misch öl-misch ja-turwie viele junge Männer liegen tot da, ohne ihre Wünsche erfüllt zu haben.
Yimiş kurd kuş bunı keler niçelerün bagrın delerji-misch kurd kusch bu-nə ke-ler ni-tsche-le-rün bag-rən de-lerWürmer, Vögel und Eidechsen haben sie gefressen; sie durchbohren die Brust so vieler;
Şol ufacık nâ-resteler gül gibice solmış yaturschol u-fa-dschək na res-te-ler gül gi-bi-dsche sol-məsch ja-turdie kleinen Kinder liegen verwelkt wie Rosen.
Topraga düşmiş tenleri Hakk'a ulaşmış cânlarıtop-ra-ga düsch-misch ten-le-ri hak-ka u-lasch-məsch dschan-la-rəIhre Körper sind zur Erde gefallen, ihre Seelen zu Gott gelangt;
Görmez misin sen bunları nevbet bize gelmiş yaturgör-mes mi-sin sen bun-la-rə new-bet bi-se gel-misch ja-tursiehst du sie nicht? Sie liegen dort: Nun sind wir an der Reihe.
Esilmiş incü dişleri dökilmiş saru saçlarıe-sil-misch in-dschü disch-le-ri dö-kil-misch sa-ru satsch-la-rəIhre Perlenzähne sind ausgefallen, ihr blondes Haar ist ausgegangen;
Bitmiş kamu teşvişleri Hak varlıgın almış yaturbit-misch ka-mu tesch-wisch-le-ri hak war-lə-gən al-məsch ja-turall ihre Sorgen sind zu Ende: Gott hat ihnen ihr Dasein genommen.
Gitmiş gözünün karası hîç işi yokdur turasıgit-misch gö-sü-nün ka-ra-sə hitsch i-schi jok-dur tu-ra-səDas Dunkel ihrer Augen ist verschwunden, nichts hält sie mehr hier;
Kefen bizinün pâresi sünüge sarılmış yaturke-fen bi-si-nün pa-re-si sü-nü-ge sa-rəl-məsch ja-turein Fetzen ihres Leichentuchs liegt um ihre Knochen gewickelt.
Yûnus ‘âkilisen bunda mülke sûret bezemegilju-nus a-ki-li-sen bun-da mül-ke su-ret be-se-me-gilYunus, wenn du weise bist, schmücke hier deinen Besitz nicht:
Mülke sûret bezeyenler kara toprak olmış yaturmül-ke su-ret be-se-jen-ler ka-ra top-rak ol-məsch ja-turwer seinen Besitz schmückte, liegt hier, zu schwarzer Erde geworden.
Türkisch: Mustafa Tatcıs kritischer Text, Gedicht 74, mit den dort aufgeführten Abschriften: RY. 16b, YE. 39a, B. 54a, A. 4. Aussprachehilfe und Übersetzung: Turkpidya.
Rätsel · Gedicht 407
Çıkdum erik talına anda yidüm üzümi Ich stieg auf einen Pflaumenbaum
Sein berühmtes Unsinnsgedicht: ein Fisch auf einer Pappel, eine Fliege, die einen Adler zu Boden wirft. Sufi-Lehrer schrieben ganze Bücher über seine Bedeutung.
Çıkdum erik talına anda yidüm üzümitschək-dum e-rik ta-lə-na an-da ji-düm ü-sü-miIch stieg auf einen Pflaumenbaum und aß dort oben Trauben;
Bostân ıssı kakıyup dir ne yirsün kozumıbos-tan əs-sə ka-kə-jup dir ne jir-sün ko-su-məder Gartenbesitzer wurde zornig: „Warum isst du meine Walnüsse?“
Kerpîç koydum kazgana poyrazıla kaynatdumker-pitsch koj-dum kas-ga-na poj-ra-sə-la kaj-nat-dumIch legte Lehmziegel in einen Kessel und kochte sie mit dem Nordwind;
Nedür diyü sorana bandum virdüm özinine-dür di-jü so-ra-na ban-dum wir-düm ö-si-niwer fragte, was das sei, dem schöpfte ich von der Brühe.
İplik virdüm Çulhâya sarup yumak itmemişip-lik wir-düm tschul-ha-ja sa-rup ju-mak it-me-mischIch gab dem Weber Garn; er hat es nicht einmal zu einem Knäuel gewickelt,
Becid becid ısmarlar gelsün alsun bezinibe-dschid be-dschid əs-mar-lar gel-sün al-sun be-si-niund lässt mir ständig ausrichten: „Komm und hol deinen Stoff ab.“
Bir serçenün kanadın kırk kanluya yükletdümbir ser-tsche-nün ka-na-dən kərk kan-lu-ja jük-let-dümIch lud den Flügel eines Spatzen auf vierzig Karren;
Çifti dahı çekmedi kaldı şöyle yazılıtschif-ti da-hə tschek-me-di kal-də schöj-le ja-sə-lənicht einmal ein Ochsengespann konnte ihn ziehen, so blieb er auf der Ebene liegen.
Bir sinek bir kartalı kaldurup urdı yirebir si-nek bir kar-ta-lə kal-du-rup ur-də ji-reEine Fliege hob einen Adler hoch und warf ihn zu Boden;
Yalan degül gerçekdür ben de gördüm tozınıja-lan de-gül ger-tschek-dür ben de gör-düm to-sə-nədas ist keine Lüge, es ist wahr: Ich selbst sah den Staub.
Balık kavaga çıkmış zift turşısın yimegeba-lək ka-wa-ga tschək-məsch sift tur-schə-sən ji-me-geEin Fisch ist auf eine Pappel gestiegen, um eingelegten Teer zu essen;
Leylek koduk togurmış bak a şunun sözinilej-lek ko-duk to-gur-məsch bak a schu-nun sö-si-niein Storch hat ein Eselsfohlen geboren: Hört euch das an!
Bir küt ile güreşdüm elsüz ayagum aldıbir küt i-le gü-resch-düm el-süs a-ja-gum al-dəIch rang mit einem Mann ohne Hände und Füße: Der ohne Hände packte meine Beine;
Güreşüp basamadum göyündürdi özümigü-re-schüp ba-sa-ma-dum gö-jün-dür-di ö-sü-miich rang und konnte ihn nicht bezwingen; er ließ mich innerlich brennen.
Kâf Tagı'ndan bir taşı şöyle atdılar banakaf ta-gən-dan bir ta-schə schöj-le at-də-lar ba-naVom Berg Qaf warfen sie einen Stein nach mir;
Öylelik yire düşdi bozayazdı yüzümiöj-le-lik ji-re düsch-di bo-sa-jas-də jü-sü-mier fiel so heftig zu Boden, dass er mir fast das Gesicht entstellte.
Gözsüze fısıldadum sagır sözüm işitmişgös-sü-se fə-səl-da-dum sa-gər sö-süm i-schit-mischIch flüsterte einem Blinden zu, und ein Tauber hörte meine Worte;
Dilsüz çagırup söyler dilümdeki sözümidil-süs tscha-gə-rup söj-ler di-lüm-de-ki sö-sü-miein Mann ohne Zunge ruft die Worte aus, die auf meiner Zunge liegen.
Bir öküz bogazladum kakıldum sere kodumbir ö-küs bo-gas-la-dum ka-kəl-dum se-re ko-dumIch schlachtete einen Ochsen, trocknete das Fleisch und legte es aus;
Öküz ıssı geldi eydür bogazladun kazumıö-küs əs-sə gel-di ej-dür bo-gas-la-dun ka-su-məder Besitzer des Ochsen kam und sagte: „Du hast meine Gans geschlachtet!“
Ugrulık yapdum ana bühtân eyledi banaug-ru-lək jap-dum a-na büch-tan ej-le-di ba-naIch bestahl ihn, und er verleumdete mich;
Bir çerçi geldi eydür kanı aldun gözgümibir tscher-tschi gel-di ej-dür ka-nə al-dun gös-gü-miein Hausierer kam und sagte: „Wo ist der Spiegel, den du mir genommen hast?“
Tosbagaya ugradum gözsüzsepek yoldaşıtos-ba-ga-ja ug-ra-dum gös-süs-se-pek jol-da-schəIch traf eine Schildkröte, die Reisegefährtin des Maulwurfs;
Sordum sefer kancaru Kayserî'ye ‘azimisor-dum se-fer kan-dscha-ru kaj-se-ri-je a-si-miich fragte, wohin sie reise: Sie wollte nach Kayseri.
Yûnus bir söz söylemiş hîç bir söze benzemezju-nus bir sös söj-le-misch hitsch bir sö-se ben-se-mesYunus hat ein Wort gesprochen, das keinem anderen gleicht:
Münâfıklar elinden örter ma‘nî yüzinimü-na-fək-lar e-lin-den ör-ter ma-ni jü-si-nies verbirgt das Gesicht seines Sinns vor den Heuchlern.
Türkisch: Mustafa Tatcıs kritischer Text, Gedicht 407, mit den dort aufgeführten Abschriften: NO. 184, Ç. 87a, a. 26, 44, YE. 105, Niyâzî-i Mısrî, Alî Nevrekânî, Şeyhzâde Muhyiddin, İsmâil H. Bursavî, İbrahîm Hâs. Aussprachehilfe und Übersetzung: Turkpidya.
Die Schreibweise folgt der Ausgabe und ihren Handschriften: ‘ışk, wo im heutigen Türkisch aşk steht, und lange Vokale mit â, î, û. Die Aussprachehilfe folgt diesen Buchstaben; ‘Işkun liest sich also „əsch-kun“. Unsere deutsche Übersetzung bleibt nah am Türkischen und verzichtet auf Reime, damit Sie beide Texte nebeneinander verfolgen können.
Die Wörter, auf die er immer wieder zurückkam
Zehn Wörter ziehen sich durch seine Gedichte: Liebe, Herz, Seele, der Freund und die anderen. Tippen Sie auf eine Perle. Sie erfahren, was das Wort ihm bedeutete, in wie vielen der 417 Gedichte aus Tatcıs Ausgabe es vorkommt und wo es in den acht Gedichten oben erscheint.
‘ışkheute aşk
Aussprache: aschk
Liebe; für ihn vor allem die Liebe zu Gott.
‘Işkun aldı benden beni
Deine Liebe hat mich mir selbst genommen:
Gedicht 381: Nur dich‘Işkunıla avınuram
deine Liebe tröstet mich:
Gedicht 381: Nur dich
gönül
Aussprache: gö-nül
Das Herz, in dem Gott zu finden ist.
Hepisinden eyüce bir gönüle girmekdür
besser als sie alle ist es, den Weg in ein Herz zu finden.
Gedicht 91: Sich selbst erkennenBir kez gönül yıkdunısa bu kıldugun namâz degül
Wenn du auch nur einmal ein Herz gebrochen hast, ist dein Gebet kein Gebet;
Gedicht 166: Ein gebrochenes HerzTaşdun yine deli gönül sular gibi çaglar mısın
Wieder bist du übergelaufen, verrücktes Herz: Wirst du rauschen wie die Flüsse?
Gedicht 270: Verrücktes Herz
cânheute can
Aussprache: dschan
Seele, Leben; auch „geliebter Mensch“.
Cân odur kim Hak'a ire ayak odur yola gire
Eine Seele ist, was Gott erreicht; ein Fuß ist, was den Weg beschreitet.
Gedicht 166: Ein gebrochenes HerzKey sakın key dilünile cânına dâg ide bir söz
hüte, hüte vor allem deine Zunge: Ein Wort kann deiner Seele ein Brandmal zufügen.
Gedicht 102: Ein WortEsridi Yûnus'un cânı yoldayım illerüm kanı
Yunus’ Seele ist im Rausch: Ich bin unterwegs, wo ist meine Heimat?
Gedicht 270: Verrücktes HerzTopraga düşmiş tenleri Hakk'a ulaşmış cânları
Ihre Körper sind zur Erde gefallen, ihre Seelen zu Gott gelangt;
Gedicht 74: Im Morgengrauen an den Gräbern
dost
Aussprache: dost
Freund; oft ist damit der Freund gemeint, Gott.
Dosta gidenün yolı gönül içinden geçer
Der Weg dessen, der zum Freund geht, führt durch das Herz.
Gedicht 338 der Ausgabe
Hak
Aussprache: hak
Gott, „der Wirkliche“.
Hak cihâna toludur kimsene Hakk'ı bilmez
Gott erfüllt die Welt, doch niemand kennt Gott.
Gedicht 103: Gott erfüllt die WeltOkumakdan ma'nî ne kişi Hakk'ı bilmekdür
Was ist der Sinn des Lesens? Gott zu erkennen.
Gedicht 91: Sich selbst erkennenCân odur kim Hak'a ire ayak odur yola gire
Eine Seele ist, was Gott erreicht; ein Fuß ist, was den Weg beschreitet.
Gedicht 166: Ein gebrochenes HerzTopraga düşmiş tenleri Hakk'a ulaşmış cânları
Ihre Körper sind zur Erde gefallen, ihre Seelen zu Gott gelangt;
Gedicht 74: Im Morgengrauen an den Gräbern
Çalabheute Çalap
Aussprache: tscha-lap
Ein altes türkisches Wort für Gott.
Gönül Çalab'un tahtı gönüle Çalap bahdı
Das Herz ist Gottes Thron; Gott blickt ins Herz.
Gedicht 299 der Ausgabe
dervîşheute derviş
Aussprache: der-wisch
Ein Derwisch, jemand auf dem Weg der Sufis.
Dervîşlik didükleri hırkayıla tâc degül
Derwischsein, wie man es nennt, besteht nicht aus Mantel und Kappe;
Gedicht 162 der AusgabeGönlin dervîş eyleyen hırkaya muhtâc degül
wer sein Herz zum Derwisch macht, braucht keinen Mantel.
Gedicht 162 der Ausgabe
söz
Aussprache: sös
Wort, Rede.
Yûnus sözin anlarsan söz ma'nîsin dinlersen
Wenn du Yunus’ Worte verstehst, wenn du auf ihren Sinn hörst,
Gedicht 103: Gott erfüllt die WeltYûnus bu sözleri çatar sanki balı yaga katar
Yunus fügt diese Worte zusammen, als mischte er Honig mit Butter;
Gedicht 166: Ein gebrochenes HerzKeleci bilen kişinün yüzini ag ide bir söz
Ein Wort kann das Gesicht eines Menschen zum Strahlen bringen, der zu reden weiß;
Gedicht 102: Ein WortLeylek koduk togurmış bak a şunun sözini
ein Storch hat ein Eselsfohlen geboren: Hört euch das an!
Gedicht 407: Ich stieg auf einen Pflaumenbaum
dünyâheute dünya
Aussprache: dün-ja
Diese Welt, die vergeht.
Dünyâyı inanursın rızka benümdür dirsin
Du vertraust der Welt und sagst über deinen Lebensunterhalt: „Er gehört mir“.
Gedicht 103: Gott erfüllt die WeltErenler gelüp geçdiler dünyâyı koyup göçdiler
Die Heiligen kamen und gingen; sie ließen die Welt zurück und zogen weiter.
Gedicht 166: Ein gebrochenes Herz
öl-heute ölüm
Aussprache: ö-lüm
Sterben; Tod.
‘Işkun ‘âşıklar öldürür
Deine Liebe tötet die Liebenden,
Gedicht 381: Nur dichSabâhın sinlere vardum gördüm cümle ölmiş yatur
Im Morgengrauen ging ich zu den Gräbern und sah sie alle tot daliegen;
Gedicht 74: Im Morgengrauen an den Gräbern
Auch sein eigener Name gehört zu seinen Wörtern. In 411 der 417 Gedichte erscheint „Yûnus“ in der letzten Strophe, wo Dichter seiner Tradition ihre Werke signierten. In den acht Gedichten oben tut er das, indem er spricht: zu sich selbst („Yunus, wenn du weise bist …“), zu einem Lehrer oder über seine eigenen Worte.
Ein Leben, erzählt in Legenden
Fast alles, was über sein Leben erzählt wird, stammt aus Legenden, die etwa zwei Jahrhunderte nach seinem Tod aufgeschrieben wurden. Hier folgen sie der Reihe nach, zusammen mit den beiden Daten, die die Dokumente nennen.

- Ein Bauer aus SarıköyDie Legenden beginnen mit einem Buch über einen anderen Heiligen: dem Vilâyetnâme des Hacı Bektaş, das Uzun Firdevsî (gestorben 1512) zugeschrieben wird. Darin ist Yunus ein armer Bauer aus Sarıköy, einem Dorf bei Sivrihisar.
- Weizen oder SegenWeil er arm ist, geht er zur Loge von Hacı Bektaş in Karahöyük, dem heutigen Hacıbektaş, und bittet um Weizen. Der Heilige bietet ihm stattdessen einen nefes an, einen geistlichen Segen. Yunus besteht auf dem Weizen und bekommt ihn. Auf halbem Heimweg kehrt er um: Weizen geht zur Neige, ein Segen nicht. Zu spät, sagt Hacı Bektaş. Dieser Schlüssel liegt nun bei Tapduk Emre.
- Vierzig Jahre gerades HolzSo dient Yunus Tapduk Emre. Vierzig Jahre lang trägt er Brennholz zur Loge, nur gerade Äste, denn ins Haus der Heiligen gehört nichts Krummes.
- „Yunus, sprich!“Bei einer großen Versammlung von Derwischen ruft Tapduk dreimal „Yunus, sprich!“ zu einem Sänger, einem anderen Yunus, der ihn nicht hört. Dann wendet er sich an unseren Yunus: Die Zeit ist gekommen, sprich du. Und Yunus beginnt, in Versen zu sprechen.
- 1307: ein Buch mit RatschlägenSein langes Lehrgedicht für Derwische, die Risâletü’n-Nushiyye, hat etwa 600 Zweizeiler und datiert sich selbst: „Târih dahı yedi yüz yedi idi“, die Jahreszahl war siebenhundertsieben. Das ist 707 im muslimischen Kalender, 1307 in unserem.
- Tod im Jahr 720Eine Notiz in einer handschriftlichen Sammelschrift der Istanbuler Beyazıt-Bibliothek nennt als Todesjahr 720 im muslimischen Kalender, also 1320–21. Sie ist das einzige datierte Zeugnis seines Lebens.
Zwei weitere Zeugnisse machen das Bild komplizierter. Ältere Autoren sind sich uneins, wo und wann er lebte: Mecdî und Âşık Çelebi verorten ihn bei Bolu, Taşköprizâde dagegen in der Zeit von Sultan Bayezid I., etwa 70 Jahre nach seinem Tod. Und ein Grundbuch aus Konya von 1518 nennt einen Yunus Emre, der in Lârende, dem heutigen Karaman, Land gekauft und seinem Sohn İsmail hinterlassen hatte. Ob dieser Mann der Dichter war, ist unbekannt.
Das Todesdatum bleibt dennoch bestehen. Als der Historiker Adnan Erzi 1950 die Beyazıt-Notiz veröffentlichte, akzeptierten die meisten Forscher, darunter Fuad Köprülü, das Jahr 1320. Welches Geburtsjahr sie angibt, hängt von der Lesart ab: Erzi las 648 und eine Lebensdauer von 72 Jahren (geboren 1250–51); die TDV-Enzyklopädie nennt 638 und 82 Jahre (geboren 1240–41).
Elf Gräber, ein Dichter
Mindestens elf Orte in der Türkei sagen, Yunus Emre sei dort begraben. In Aserbaidschan gibt es außerdem einen Schrein für ihn. Solche Gräber markieren meist Orte, an denen er geliebt wurde und in Erinnerung blieb, nicht seinen tatsächlichen Begräbnisort. Wählen Sie einen Ort auf der Karte oder gehen Sie die Orte der Reihe nach durch.
Sarıköy heute das Dorf Yunusemre, Bezirk Mihalıççık, Provinz Eskişehir
Das Dorf der Legenden. Im Vilâyetnâme ist Yunus hier Bauer, sein Grab liegt in der Nähe. Ältere Autoren stimmen damit überein: Lâmiî verortete es im 16. Jahrhundert am Kütahya-Fluss, dem Porsuk, nahe seiner Mündung in den Sakarya – dort liegt das Dorf. Das Grab wurde am 6. Mai 1946 geöffnet, weil die Bahnstrecke Ankara–Eskişehir darüber führen sollte. Seit 1970 liegen die Gebeine in einem neuen Grabmonument. Köprülü, Gölpınarlı und Timurtaş hielten dieses Grab für seines.
Emremsultan ein Dorf bei Nallıhan, Provinz Ankara
Hier, nahe dem Sakarya, soll Tapduk Emres Loge gestanden haben. Hier verorten Forscher die Jahre, die Yunus als sein Derwisch verbrachte: die vierzig Jahre der Brennholzlegende. Im Dorf gibt es auch ein Grab, das ihm zugeschrieben wird.
Bolu eine Stadt im Bergland Nordwestanatoliens
Zwei Autoren des 16. Jahrhunderts verorten ihn in dieser Gegend. Mecdî schreibt, Yunus habe bei Bolu gelebt, sein Meister Tapduk dagegen am Sakarya. Der Dichterbiograf Âşık Çelebi bezeichnet ihn als Mann aus Bolu.
Hacıbektaş Karahöyük in der Legende, Provinz Nevşehir
In der Legende kommt Yunus hierher, zur Loge von Hacı Bektaş, um Weizen zu erbitten. Stattdessen wird ihm ein Segen angeboten. Das Dorf hieß damals Sulucakarahöyük; heute ist es die Stadt Hacıbektaş.
Konya die Stadt Mevlânâ Rûmîs
Mevlânâ Celâleddîn Rûmî lehrte hier und starb hier 1273. Eine seit Jahrhunderten erzählte Geschichte lässt Yunus ihm begegnen und sagen, sein langes Gedicht, das Mesnevî, sei zu lang. Er selbst hätte gesagt: „Ich nahm Fleisch und Knochen an und erschien als Yunus.“ In einem seiner Gedichte, Nr. 178, steht eine ähnliche Zeile. Die Begegnung ist eine Legende, kein belegtes Ereignis.
Karaman Lârende in alten Dokumenten
Ein Grundbuch aus Konya von 1518 berichtet, ein Yunus Emre habe hier von İbrahim Bey aus der Dynastie der Karamaniden ein Landstück namens Yerce gekauft, das an seine Kinder überging. Ob dieser Yunus der Dichter war, ist unbekannt. Auch Karaman hat ein Grab, das ihm zugeschrieben wird.
Bursa eine frühe osmanische Hauptstadt
In Bursa gibt es ein Grab, das ihm zugeschrieben wird. Hier lebte auch ein anderer Dichter, der seine Gedichte mit Yunus signierte: Âşık Yunus, der im frühen 15. Jahrhundert starb. Abschreiber verwechselten die beiden, und Herausgeber versuchen bis heute, ihre Gedichte auseinanderzuhalten.
Ortaköy Ziyarettepe, Provinz Aksaray
Ein Grabmal auf dem Hügel Ziyarettepe trägt seinen Namen.
Kula das Dorf Emresultan, Provinz Manisa
Im Dorf Emresultan im Bezirk Kula gibt es ein Grab, das ihm zugeschrieben wird. Die Markierung zeigt Kula.
Dutçu auch Düzcü geschrieben, ein Dorf in der Provinz Erzurum
Ein Grabmal unter freiem Himmel im Dorf trägt seinen Namen, weit östlich der Orte aus den Legenden. Die Markierung zeigt Erzurum.
Keçiborlu Isparta
In Keçiborlu gibt es ein Grab, das ihm zugeschrieben wird.
Sandıklı Afyonkarahisar
Das Grabmal hier ist ein makam: ein Ort, der seine Erinnerung bewahrt, aber nicht unbedingt seinen Körper birgt.
Ünye an der Schwarzmeerküste
In Ünye gibt es ein Grab, das ihm zugeschrieben wird.
Sivas Zentralanatolien
In Sivas gibt es ein Grab, das ihm zugeschrieben wird.
Qax Gâh, in Aserbaidschan
Kein Grab, sondern ein makam, ein Schrein zu seiner Erinnerung. Mustafa Tatcı vermutet, Yunus könnte diesen Weg zwischen Anatolien, Täbris und Nachitschewan bereist haben.

Für Sarıköy sprechen die stärksten Belege. Die Legenden verorten ihn dort, Autoren seit dem 16. Jahrhundert stimmen überein, und drei der Forscher, die sich am intensivsten mit ihm beschäftigten, akzeptierten diesen Ort: Fuad Köprülü, Abdülbaki Gölpınarlı und Faruk Kadri Timurtaş. Das Grab wurde am 6. Mai 1946 geöffnet, weil die neue Bahnstrecke Ankara–Eskişehir darüber führen sollte. Die Gebeine kamen zunächst in ein provisorisches Grab und 1970 in das Grabmonument, das heute im Dorf steht.
Die einzige datierte Notiz
720 = 1320–21
Eine Notiz in einer Handschrift der Beyazıt-Bibliothek ist das einzige datierte Zeugnis seines Lebens. Sie nennt als Todesjahr 720 im muslimischen Kalender. Die meisten Lebensdaten, die Ihnen begegnen, beruhen darauf und weichen dennoch voneinander ab: Die UNESCO führte 1241–1321 an, die Banknotenseite der Zentralbank nennt 1238–1320, die TDV-Enzyklopädie 1240–41 bis 1320.
Wie die Gedichte erhalten blieben
Yunus hinterließ kein eigenhändig geschriebenes Buch. Seine Gedichte wurden mündlich weitergegeben: Derwische lernten sie auswendig und sangen sie. Seit dem 14. Jahrhundert trugen wandernde Derwische sie mit den osmanischen Eroberungen nach Westen, auf den Balkan.

Die erhaltenen Abschriften setzen früh ein. Die ältesten Abschriften seines Divan reichen möglicherweise ins 14. Jahrhundert zurück: die Ritter-Handschrift (14. Jahrhundert), die Raif-Yelkenci-Handschrift (14. oder 15.), die Fâtih-Handschrift (wohl 15.), die Yahyâ-Efendi-Handschrift (16.) und die auf 1540 datierte Nuruosmaniye-Handschrift. Seine geistlichen Lieder finden sich auch in Gedichtsammlungen, darunter eine von 1480 in griechischen Buchstaben, sowie in einem lateinischen Buch über die Türken von György, einem Ungarn, der zur Zeit Murads II. in Gefangenschaft war. Dieses Buch überliefert zwei mit Yunus signierte Lieder.
Die Gedichte, die er verbrannte, lesen die Engel; die, die er ertränkte, die Fische; den Rest lesen wir.
So endet eine beliebte Legende. Yunus habe 3.000 Gedichte verfasst, heißt es, und ein Eiferer namens Molla Kasım habe sie am religiösen Recht gemessen. Er verbrannte tausend und warf tausend ins Wasser. Dann hielt er bei einem Zweizeiler inne, der ihn beim Namen nannte: „Ein Molla Kasım wird kommen, um dich zu befragen.“ Er bereute. Der Zweizeiler steht nicht in der Ausgabe, die wir verwenden.
Beim Abschreiben entstanden Fehler: Gedichte wurden zweigeteilt, Strophen vertauscht, und Gedichte anderer Dichter, die mit Yunus signierten, schlichen sich ein. Jede Ausgabe muss deshalb eine Auswahl treffen. Burhan Toprak druckte 1933–34 zunächst 355 Gedichte, hielt später aber nur 115 für mögliche Werke Yunus Emres. Mustafa Tatcıs kritische Ausgabe (1990, überarbeitet 2008) vergleicht die Handschriften Zeile für Zeile, trennt seine Werke von denen Âşık Yunus’ und behält 417 Gedichte bei: 138 im aruz, dem Versmaß mit langen und kurzen Silben aus der persischen und arabischen Dichtung, die übrigen im hece, dem türkischen silbenzählenden Versmaß.
Drei Behauptungen auf dem Prüfstand
Manches, was über ihn gesagt wird, stimmt, manches ist halb wahr, anderes sind Geschichten. Tippen Sie auf eine Karte, um drei häufige Behauptungen zu prüfen.
„Die UNESCO erklärte 1991 zum Internationalen Yunus-Emre-Jahr.“
Nicht mit diesen Worten. Die UNESCO-Generalkonferenz stellte 1989 fest, dass 1991 sein 750. Geburtstag bevorstand, und lud die Mitgliedstaaten ein, ihn gemeinsam zu feiern (Resolution 15.232). Die Resolution spricht von einem Gedenken, nicht von einem Jahr in seinem Namen.
„Jedes mit Yunus signierte Gedicht stammt von Yunus Emre.“
Nein. Auch andere Dichter verwendeten den Namen, vor allem Âşık Yunus aus Bursa, der im frühen 15. Jahrhundert starb. Abschreiber vermischten ihre Gedichte. Burhan Toprak druckte 1933–34 zunächst 355 Gedichte, hielt später aber nur 115 für mögliche Werke Yunus Emres. Tatcıs Ausgabe behält 417 bei.
„Er konnte weder lesen noch schreiben.“
Das behauptete der Biograf Âşık Çelebi im 16. Jahrhundert. Der Forscher Abdülbaki Gölpınarlı stellte fest, dass Yunus genug Persisch konnte, um Sa‘dî und Rûmî zu übersetzen. Seine Gedichte sprechen von den vier heiligen Büchern und dem Buchstaben Alif, so auch Gedicht 91 oben.
Wie man sich heute an ihn erinnert
Siebenhundert Jahre später trägt ein Institut seinen Namen, er ist auf einer Banknote abgebildet und wurde an zwei UNESCO-Jahrestagen gewürdigt.
750 Jahre seit seiner Geburt
Die UNESCO-Generalkonferenz lud die Mitgliedstaaten ein, den Jahrestag gemeinsam zu begehen, und bat um die Veröffentlichung der Beiträge des Symposiums von 1991 (Resolution 15.232, 1989).
700 Jahre seit seinem Tod
Auf der UNESCO-Liste der Jahrestage für 2020–2021 als „Dichter und Sufi-Philosoph (1241–1321)“, vorgeschlagen von der Türkei gemeinsam mit Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien und Usbekistan.
Das Jahr Yunus Emres und der türkischen Sprache
Ein Präsidialrundschreiben vom 29. Januar 2021, am folgenden Tag in der Resmî Gazete veröffentlicht, erklärte 2021 zum Jahr Yunus Emres und der türkischen Sprache.
Das Yunus-Emre-Institut
Die Yunus-Emre-Stiftung und ihr Institut wurden auf Grundlage des Gesetzes 5653 vom Mai 2007 gegründet. Sie betreiben Kulturzentren im Ausland und unterrichten Türkisch. Ihr Leitspruch „Gelin tanış olalım“ greift Gedicht 103 auf: „Kommt, lasst uns einander kennenlernen.“
Der 200-Lira-Schein
Die 200-Lira-Banknote der seit dem 1. Januar 2009 umlaufenden Serie zeigt Yunus Emre. Auf ihrer Seite nennt die Zentralbank seine Lebensdaten mit 1238–1320.
Ein Yunus-Emre-Jahr in der Heimat
Das Ministerium für Kultur und Tourismus und das Gouverneursamt von Eskişehir, der Provinz Sarıköys, erklärten 2013 zum Yunus-Emre-Jahr. Dazu gehörten ein Theaterstück und ein Romanwettbewerb.
Einen Dichter des 20. Jahrhunderts, der ebenfalls in einfachem Türkisch über die Liebe schrieb, lernen Sie in unserem Beitrag über Nazım Hikmets Gedichte kennen.
Fragen unserer Leser
Wann lebte Yunus Emre?
Er starb 720 im muslimischen Kalender, also 1320 oder 1321, laut der einzigen datierten Notiz zu seinem Leben. Seine Geburt ist weniger sicher: um 1240 oder um 1250, je nachdem, wie man diese Notiz liest. Einige ältere Autoren verorteten ihn ein Jahrhundert oder mehr später; die 1950 veröffentlichte Notiz klärte das.
Wo wurde er geboren?
Keine Quelle klärt das abschließend. Die Legenden machen ihn zu einem Bauern aus Sarıköy bei Sivrihisar; zwei Autoren des 16. Jahrhunderts verorten ihn bei Bolu. Forscher sind sich einig, dass er irgendwo am Sakarya in Zentralanatolien lebte und seine Derwischjahre in Tapduk Emres Loge bei Nallıhan verbrachte.
Schrieb er „Yaratılanı severiz, Yaratandan ötürü“?
Wir haben alle 417 Gedichte aus Tatcıs Ausgabe durchsucht und keine solche Zeile gefunden. Sie wird überall unter seinem Namen zitiert („Wir lieben das Geschaffene um des Schöpfers willen“), stammt aber nicht aus seinem Divan, wie ihn die Handschriften überliefern.
Welche Gedichte sollte ich zuerst lesen?
Beginnen Sie mit ‘Işkun aldı benden beni (Nur dich), dem Liebesgedicht, dessen Strophen alle mit „dich brauche ich, nur dich“ enden, und mit Gedicht 103. Darin steht die Zeile „Kommt, lasst uns einander kennenlernen“. Beide finden Sie oben vollständig.
In welcher Sprache schrieb er?
Im Türkisch Anatoliens des 13. und 14. Jahrhunderts. Damals wurde ein großer Teil der gelehrten Dichtung Anatoliens auf Persisch verfasst, so auch die Rûmîs. Heutige türkische Leser verstehen vieles davon, müssen sich aber an alte Formen gewöhnen: ‘ışk für aşk (Liebe), gelün für gelin (kommt), idelüm für edelim (lasst uns machen).
Wo kann ich alle seine Gedichte auf Türkisch lesen?
In Mustafa Tatcıs kritischer Ausgabe des Divan. Sie enthält 417 Gedichte und nennt zu jedem die zugrunde liegenden Handschriften. Das Ministerium für Kultur und Tourismus veröffentlichte sie auch als E-Book. Frühere Ausgaben von Abdülbaki Gölpınarlı und Faruk Kadri Timurtaş (326 Gedichte in seiner letzten Ausgabe) weichen an manchen Stellen davon ab.
Quellen
Die türkischen Gedichte folgen Mustafa Tatcıs kritischem Text genau, einschließlich der Schreibweise. Zu jedem Gedicht sind die zugrunde liegenden Handschriften aufgeführt. Die deutschen Übersetzungen und die Aussprachehilfen stammen von uns; wir haben sie Zeile für Zeile mithilfe des Glossars der Ausgabe erstellt. Die Wortzahlen beruhen auf unserer eigenen Zählung in den 417 Gedichten der Ausgabe. Wo Quellen voneinander abweichen, etwa bei seinen Lebensdaten oder seinem Grab, nennen wir beide Angaben und sagen, wer welche vertritt. Die Musik seiner geistlichen Lieder und sein langes Lehrgedicht, die Risâletü’n-Nushiyye, behandelt dieser Beitrag nicht; zu Letzterem nennen wir nur das Entstehungsjahr.
- Yûnus Emre, von Mustafa Tatcı — TDV İslâm Ansiklopedisi, Bd. 43 (2013), geprüft am 15. Oktober 2026
- Yunus Emre Divanı, kritischer Text von Mustafa Tatcı (E-Book-Seite, archivierte Fassung) — E-Book-Bibliothek des Ministeriums für Kultur und Tourismus, geprüft am 15. Oktober 2026
- Adnan Erzi über die datierte Notiz zu Yunus Emres Leben, Belleten XIV/53 (1950) — Türk Tarih Kurumu, geprüft am 15. Oktober 2026
- Hacı Bektâş-ı Velî — TDV İslâm Ansiklopedisi, geprüft am 15. Oktober 2026
- Berichte der Generalkonferenz, 25. Tagung (1989), Resolutionen: 15.232 — UNESCO-Webarchiv, geprüft am 15. Oktober 2026
- Vom Exekutivrat auf seiner 206. Tagung empfohlene Jahrestage für 2020–2021 (archivierte Fassung) — UNESCO, geprüft am 15. Oktober 2026
- Genelge 2021/1: 2021 Yılının Yunus Emre ve Türkçe Yılı Olarak Kutlanması — Resmî Gazete Nr. 31380, 30. Januar 2021, geprüft am 15. Oktober 2026
- Gesetz 5653 über die Yunus-Emre-Stiftung (2007) — mevzuat.gov.tr, geprüft am 15. Oktober 2026
- Über das Yunus-Emre-Institut — Yunus-Emre-Institut, geprüft am 15. Oktober 2026
- Persönlichkeiten auf den türkischen Lira-Banknoten der Emissionsgruppe E9 — Zentralbank der Republik Türkiye, geprüft am 15. Oktober 2026
- Länderumrisse und Flüsse (Karte) — Natural Earth, geprüft am 15. Oktober 2026
- Lage der Orte (Karte) — OpenStreetMap-Mitwirkende, geprüft am 15. Oktober 2026
Die Illustrationen wurden für diesen Beitrag gezeichnet. Sie zeigen weder Yunus Emre noch eine andere reale Person. Die Zeichen im Bild der Handschrift sind keine echte Schrift.


