Artvin für Ausländer: Immobilien, Preise & Tourismus
Table of Contents
Artvin gilt offiziell als eine der Regionen mit der saubersten Luft der Türkei – und wer einmal morgens in den Bergen aufwacht, versteht sofort warum. Die Provinz im Nordosten ist kein Massenziel, sondern ein Ort für Menschen, die Natur, Ruhe und klare Strukturen suchen.
Dieser Guide fasst zusammen, was Artvin heute für Ausländer relevant macht: Geschichte, Lage, Immobilienrealität im Jahr 2026, Alltag, Anreise und ehrliche Einschätzungen ohne Schönfärberei.

Geschichte von Artvin: Ein Knotenpunkt der Zivilisationen
Artvin war schon immer Grenzregion – politisch wie kulturell. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung lange vor der Bronzezeit. Im Laufe der Jahrhunderte hinterließen Kolchis, Skythen, Byzantiner, Seldschuken und Osmanen ihre Spuren.
Besonders prägend war die Phase zwischen Osmanischem Reich und zaristischem Russland. Artvin wechselte mehrfach die Herrschaft, stand zeitweise unter russischem Einfluss und wurde erst im frühen 20. Jahrhundert dauerhaft Teil der Türkei. Diese Vergangenheit erklärt die bis heute spürbare Eigenständigkeit der Region.
Trotz wechselvoller Geschichte blieb die Natur weitgehend intakt. Geringe Bevölkerungsdichte, wenig Industrie und große Waldflächen sorgen für eine Ruhe, die selbst in anderen Schwarzmeerprovinzen selten ist.
Historische Bauwerke wie die Bali-Bey-Moschee oder das Artvin-Schloss zeigen die architektonische Vielfalt. Für Geschichtsinteressierte besonders spannend: Spuren menschlicher Aktivität reichen hier bis etwa 8.000 v. Chr. zurück.

Artvin in der osmanischen Ära
Mit der Ausdehnung des Osmanischen Reiches Richtung Schwarzmeerraum gewann Artvin strategisch an Gewicht. Unter Sultan Mehmed II. und später Sultan Süleyman I. wurde die Region befestigt und verwaltet, blieb aber durch ihre Topografie schwer kontrollierbar.
Im 19. Jahrhundert rückte Artvin erneut ins Zentrum geopolitischer Interessen und wurde mehrfach Schauplatz osmanisch-russischer Auseinandersetzungen. Diese Zeit hat das Selbstverständnis der Region nachhaltig geprägt.
Artvin im Zeitalter der Republik
Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Artvin kurzzeitig zu Georgien. Erst nach diplomatischen Verhandlungen mit der jungen Republik Türkei wurde die Region dauerhaft eingegliedert. Die heutige Provinzstruktur besteht seit Mitte des 20. Jahrhunderts.
Bis heute zeigt sich Artvin als eher konservativ, naturverbunden und lokal geprägt – mit wenig Interesse an schnellen Trends.
Geographie und Wirtschaft der Provinz
Artvin liegt im äußersten Nordosten der Türkei und grenzt direkt an Georgien. Die Nachbarschaft zu Batumi sowie der Hafen von Hopa machen die Provinz trotz ihrer Abgeschiedenheit wirtschaftlich relevant.

Wirtschaftlich dominiert eine Mischung aus Landwirtschaft, Viehzucht, Forstwirtschaft und Tourismus. Große Teile der Provinz sind bewaldet, was Holz- und Honigproduktion begünstigt.
Der Yusufeli-Staudamm ist inzwischen vollständig in Betrieb und zählt zu den wichtigsten Energieprojekten der Türkei. Er hat lokale Infrastruktur verbessert, gleichzeitig aber auch Umsiedlungen notwendig gemacht.
Landwirtschaftlich sind Haselnüsse, Tee (küstennahe Bezirke) und Imkerei prägend. Verlässliche Bevölkerungszahlen für 2026 wurden bislang nicht veröffentlicht; zuletzt bestätigte Daten stammen aus Ende 2025.

Bildung: Studieren in Artvin
Zentrale Hochschule ist die Artvin Çoruh University. Sie bietet Studiengänge in Ingenieurwesen, Forstwirtschaft, Sozialwissenschaften und Theologie an.
Aktuelle, offiziell bestätigte Studierenden- oder Mitarbeiterzahlen für 2026 liegen noch nicht vor. Internationale Studierende sind jedoch sichtbar vertreten, vor allem aus dem Kaukasusraum.
Wer ein Studium in der Türkei plant, findet praktische Hinweise in unserem Leitfaden zur Bewerbung für eine Universität in der Türkei.

Transport und Anreise
Artvin ist heute deutlich besser erreichbar als noch vor wenigen Jahren:
- Rize-Artvin Flughafen (RZV): Auf dem Meer gebaut, mit regelmäßigen Inlandsflügen. Entfernung zum Stadtzentrum Artvin rund zwei Stunden Fahrt.
- Flughafen Batumi: Beliebt bei internationalen Reisenden, erfordert jedoch Grenzübertritt.
- Hafen Hopa: Relevant für Handel und Logistik.
Innerhalb der Provinz sind Dolmuş das wichtigste Verkehrsmittel. Fahrpläne sind flexibel – Geduld gehört dazu.
Gesundheitsversorgung
Die medizinische Grundversorgung erfolgt über staatliche Krankenhäuser und Bezirkskliniken. Für 2026 wurden keine neuen offiziellen Kapazitätszahlen veröffentlicht.
Bekannt ist jedoch ein geplantes Großkrankenhausprojekt, das sich noch in der Vorbereitungsphase befindet. Für komplexe Behandlungen fahren viele Einwohner weiterhin nach Trabzon, Erzurum oder Ankara. Eine Übersicht finden Sie hier: die besten Krankenhäuser in Ankara.
Immobilienmarkt in Artvin (Realität 2026)
Artvin ist kein Spekulationsmarkt. Käufer suchen Ruhe, Natur oder familiäre Bindungen. Entsprechend uneinheitlich sind die Preise.
Kaufpreise und Marktbild
Stand Januar 2026 zeigen aktive Inserate folgendes Bild:
- Kaufpreise Wohnungen: ca. 2.450.000 – 5.100.000 ₺
- Wohnungsgrößen: etwa 110 – 145 m²
- Preisband: grob 18.000 – 36.000 ₺/m²
Ein verlässlicher Durchschnittspreis existiert aktuell nicht. Lage (Hopa, Arhavi, Zentrum), Aussicht und Baujahr machen massive Unterschiede.
Wichtig für Ausländer: Wechselkurse schwanken stark. Anfang 2026 liegt der Kurs bei etwa 1 EUR ≈ 50,3 ₺ und 1 USD ≈ 43 ₺. Wer plant, sollte sich frühzeitig mit dem sicheren Kauf türkischer Lira befassen und die Regeln zur Beglaubigung in der Türkei kennen.
Mietmarkt
Der Mietmarkt bleibt angespannt. Anfang 2026 liegen Angebotsmieten meist zwischen 20.000 und 35.000 ₺ monatlich. Eine Entspannung ist derzeit nicht belegt.
Essen in Artvin: Kulinarische Traditionen
Die Küche ist bodenständig und sättigend:
- Kalaco: Maismehl, Joghurt, Butter – oft mit Honig.
- Kaygana: Herzhaftes Omelett mit Kräutern.
- Yoğurtlu Silor: Teigrollen mit Joghurt und Butter.
Wetter und Klima
An der Küste feucht und mild, im Landesinneren kühler und bergig. Winter sind schneereich, Sommer angenehm. Wer Hitze meidet, ist hier richtig.
Tourismus: Natur pur erleben
Artvin lebt vom Ökotourismus. Das Çoruh-Tal ist international bekannt fürs Rafting. Wanderer zieht es nach Şavşat oder zum Karagöl bei Borçka.
Die steilen Berghänge machen die Region auch für Outdoor-Sport interessant, etwa im Bereich Gleitschirmfliegen.

Verwaltungsgliederung
- Merkez: Verwaltung und Behörden
- Hopa & Arhavi: Küste, Handel
- Yusufeli: Schluchten, Staudamm
- Borçka & Şavşat: Seen, Wälder, Wandern
- Ardanuç, Kemalpaşa, Murgul: Historisch geprägt
Artvin ist kein Ort für Eile. Wer sich darauf einlässt, findet Verlässlichkeit, Natur und ein Leben ohne Dauerlärm.







