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Mustafa Kemal Atatürk

Wie Mustafa Kemal zu Atatürk wurde: Die wahre Geschichte

4 Min. Lesezeit Aktualisiert: December 16, 2025

Namen sind mehr als nur Schall und Rauch – im Fall von Mustafa Kemal Atatürk erzählen sie die Geschichte einer ganzen Nation.

Er ist der unbestrittene Gründervater der modernen Türkei, ein visionärer Feldherr und Reformer. Doch der Mann, den die Welt als Atatürk kennt, wurde nicht mit diesem Namen geboren. Seine Identität wandelte sich parallel zum Schicksal seines Landes: vom osmanischen Offiziersschüler zum „Vater der Türken”.

Viele fragen sich: Was bedeuten diese Namen eigentlich? Und wie kam es zu der historischen Wandlung im Jahr 1934? Wir blicken hinter die Kulissen der Geschichte.

Mustafa Kemal Atatürk Porträt

Die Bedeutung: Was steckt hinter dem Namen?

Der vollständige Name, unter dem er in die Geschichtsbücher einging, setzt sich aus drei kraftvollen Komponenten zusammen. Jeder Teil markiert eine andere Lebensphase:

  • Mustafa: Sein Geburtsname. Er stammt aus dem Arabischen und bedeutet „der Auserwählte” oder „der Gereinigte”. Es ist traditionell einer der Beinamen des Propheten Mohammed.
  • Kemal: Der Name, den er sich verdiente. Er bedeutet „Vollkommenheit”, „Reife” oder „höchster Wert”. Er steht für das Streben nach Exzellenz, das sein Leben prägte.
  • Atatürk: Der Titel, den ihm das Volk verlieh. Wörtlich übersetzt bedeutet es „Vater der Türken” oder „Urvater der Türken” (Ata = Vater/Vorfahre).

1893: Wie aus Mustafa „Mustafa Kemal” wurde

Geboren wurde er 1881 in Saloniki (heute Thessaloniki) schlicht als Mustafa. Seine Eltern, Ali Rıza Efendi und Zübeyde Hanım, gaben ihm diesen traditionellen Namen. Doch schon früh zeigte sich, dass der junge Mustafa kein gewöhnlicher Schüler war.

Gegen den Willen seiner Mutter, die ihn lieber auf einer religiösen Schule gesehen hätte, schrieb er sich heimlich an der militärischen Mittelschule (Selanik Askerî Rüştiyesi) ein. Hier blühte er auf. Besonders in Mathematik überragte er seine Mitschüler und löste Aufgaben, die selbst für höhere Klassen gedacht waren.

Die Legende besagt, dass sein Mathematiklehrer, Hauptmann Mustafa Efendi, eines Tages im Jahr 1893 zu ihm sagte:

„Mein Sohn, dein Name ist Mustafa und meiner ist auch Mustafa. Das führt zu Verwechslungen. Zwischen uns muss ein Unterschied bestehen. Von nun an sollst du Mustafa Kemal heißen.”

Der Lehrer verlieh ihm den Beinamen Kemal als Anerkennung für seine Reife und akademische Perfektion. Der junge Kadett nahm den Namen mit Stolz an. Von diesem Moment an bis zur Gründung der Republik kannte man ihn als Mustafa Kemal – den brillanten Offizier, der später auch im Osmanischen Reich Karriere machen sollte.

1934: Die Geburtsstunde von „Atatürk”

Bis 1934 gab es in der Türkei keine offiziellen Nachnamen. Menschen wurden oft über den Namen ihres Vaters (z. B. Ali Sohn des Riza) oder Spitznamen identifiziert. Als Präsident der jungen Republik führte Mustafa Kemal tiefgreifende Reformen durch, um das Land zu modernisieren – darunter das Familiennamensgesetz.

Am 24. November 1934 verabschiedete die Große Nationalversammlung der Türkei ein historisches Gesetz, das ihrem Gründer einen einzigartigen Nachnamen verlieh. Es war nicht er selbst, der sich diesen Namen gab, sondern das Parlament, das ihm in Anerkennung seiner Verdienste den Namen Atatürk („Vater der Türken”) antrug.

Dies geschah in einer Zeit des nationalen Aufbruchs, ähnlich wie ihn auch Intellektuelle wie Halide Edip Adıvar erlebten, die die türkische Identität neu definierten.

Die Gesetze, die den Namen schützten

Der Name Atatürk ist rechtlich geschützt wie kein anderer. Zwei spezifische Gesetze regelten diesen Vorgang:

Gesetz Nr. 2587 (24.11.1934):
Dieses Gesetz legte fest, dass der Präsident der Republik, Gazi Mustafa Kemal, den Familiennamen ATATÜRK erhält.

Gesetz Nr. 2622 (17.12.1934):
Um die Einzigartigkeit zu wahren, verbot dieses Gesetz anderen Personen, den Nachnamen Atatürk zu tragen oder ihn auch nur in Kombination mit anderen Wörtern zu verwenden. Der Name sollte exklusiv dem Mann vorbehalten bleiben, der die Nation aus der Asche des Krieges neu erschaffen hatte.

Auch heute noch, an nationalen Feiertagen in der Türkei, wird dieser Name nicht nur als historische Referenz, sondern als Symbol für die Unabhängigkeit und Modernität des Landes gefeiert.

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