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Wichtigste Handelshäfen der Türkei: Logistik-Drehscheiben im Mittleren Korridor

5 Min. Lesezeit Aktualisiert: December 15, 2025

In einer Zeit, in der globale Lieferketten durch Krisen im Roten Meer und geopolitische Verschiebungen neu definiert werden, rückt die Türkei in den Fokus der Weltwirtschaft. Das Land ist nicht mehr nur eine geografische Brücke; es ist die entscheidende maritime Kommandozentrale des „Mittleren Korridors”.

Vergessen Sie veraltete Statistiken: Die Türkei verfügt heute über mehr als 180 Hafenanlagen und Küstenstrukturen, die im Jahr 2024 ein Gesamtvolumen von rund 13,5 Millionen TEU (Standardcontainer) abwickelten. Doch für Importeure, Logistiker und Investoren sind vor allem wenige Schlüsselhäfen entscheidend. Wir analysieren die „Big Player” am Marmarameer, Schwarzen Meer und Mittelmeer und erklären, warum sie für Ihren Handel wichtig sind.

Wichtigste Handelshäfen der Türkei Karte

Die strategischen Knotenpunkte: Eine Analyse

Die türkische Handelsflotte und ihre Häfen sind das Rückgrat der Verbindung zwischen Asien und Europa. Jeder Hafen hat dabei eine spezifische Rolle – vom Konsumgüter-Tor für Istanbul bis zum Industrie-Hub für den Nahen Osten. Hier ist der aktuelle Status der wichtigsten Akteure:

Ambarlı (Altaș Ambarlı): Das Tor zu Europa

Wenn Sie Konsumgüter nach Istanbul oder in den europäischen Teil der Türkei bringen wollen, führt kaum ein Weg an Ambarlı vorbei. Dieser Hafenkomplex im Bezirk Beylikdüzü ist einer der größten Containerumschlagplätze des Landes.

Warum dieser Hafen wichtig ist:

  • Volumen: Der Hafenkomplex (inklusive Terminals wie Marport und Kumport) schlägt jährlich rund 3 Millionen TEU um.
  • Struktur: Er ist in zwei Hauptbereiche unterteilt: Der neue Ambarlı-Hafen (westlich der Ölterminals) für Container und Stückgut sowie ein separater Bereich für Ölplattformen und Tanker.
  • Logistik: Er dient als primärer Versorgungs-Hub für den Großraum Istanbul und die Thrakien-Region.

Hafen von Mersin (MIP): Der Anker des Südens

Mersin International Port (MIP) ist das strategische Schwergewicht im Mittelmeer und oft der wichtigste Hafen für den Transithandel in den Nahen Osten (Irak, Syrien). Nach massiven Investitionen ist er heute einer der technologisch fortschrittlichsten Häfen der Region.

Die Fakten:

  • Kapazität: Mit einem Umschlag von über 2 Millionen TEU jährlich ist er eine der geschäftigsten Drehscheiben. Ein massives Erweiterungsprojekt (EMH2) läuft derzeit, um die Kapazität auf 3,6 Millionen TEU zu erhöhen.
  • Anbindung: 5 Liegeplätze sind direkt an das Schienennetz angeschlossen, was eine nahtlose Weiterleitung von Fracht aus Adana und Anatolien ermöglicht.
  • Vielseitigkeit: Neben Containern verfügt der Hafen über spezialisierte Terminals für Ro-Ro, Öl und Getreide (Silos mit 100.000 Tonnen Kapazität).

Mersin Hafen Container

Hafen von Istanbul (Galataport & Karaköy)

Vorsicht Verwechslungsgefahr: Wenn heute vom „Hafen Istanbul” im Stadtzentrum (Karaköy/Salıpazarı) die Rede ist, handelt es sich meist um den Galataport. Dies ist kein Frachthafen mehr, sondern ein hochmoderner Kreuzfahrt- und Tourismus-Terminal.

Historisch war dies das Handelszentrum, doch der Frachtverkehr hat sich längst nach Ambarlı und Haydarpaşa verlagert. Der heutige Galataport empfängt Millionen von Touristen und verfügt über einen unterirdischen Passagierterminal – ein Meisterwerk der modernen Architektur, aber für den Containerhandel irrelevant.

Hafen von İzmir (Alsancak) & Aliağa

Die Ägäis-Region ist das Exportzentrum für türkische Agrarprodukte und Textilien. Hier findet gerade ein Wandel statt:

Der traditionelle Hafen von İzmir (Alsancak), betrieben von der Staatsbahn TCDD, kämpft mit Kapazitätsgrenzen und sinkenden Volumina (zuletzt unter 300.000 TEU). Das wahre Wachstum findet im benachbarten Aliağa-Cluster (Nemrut Bucht) statt, wo private Häfen mittlerweile über 2,1 Millionen TEU abwickeln. Für Exporteure in der Region ist es oft ratsam, die Optionen in Aliağa zu prüfen, wenn Alsancak überlastet ist.

Hafen Haydarpaşa

Haydarpaşa am südlichen Eingang des Bosporus war einst das industrielle Herz Istanbuls. Heute befindet sich der Hafen in einer Transformationsphase. Während er für den Containerverkehr an Bedeutung verloren hat (diese Rolle hat Ambarlı übernommen), bleibt er für Ro-Ro-Verkehre (Lkw auf Schiffen) und Stückgut relevant.

Er dient als wichtiges Bindeglied für den Handel mit den Schwarzmeer-Anrainern und ist direkt an das anatolische Schienennetz angeschlossen. Dennoch sollten Logistiker beachten, dass große Teile des Areals für zukünftige Stadtentwicklungsprojekte diskutiert werden.

Hafen von İskenderun (LimakPort)

İskenderun ist die Geschichte eines beeindruckenden Comebacks. Nach schweren Schäden durch das Erdbeben im Februar 2023 ist der Hafen wieder voll operational und verzeichnete 2024 einen Volumenanstieg von über 20 %.

Er ist der strategische Zugang für die Schwerindustrie (Stahl) im Südosten der Türkei. Mit einer Fläche von 1 Million Quadratmetern und einer Kapazität von rund 1 Million TEU ist er die wichtigste Alternative zu Mersin für den östlichen Mittelmeerraum.

Hafen von Trabzon

Für den Handel mit Russland, Georgien und dem Iran ist Trabzon der Schlüssel. Als wichtigster türkischer Hafen am Schwarzen Meer hat er eine historische Bedeutung, die bis zur Seidenstraße zurückreicht.

Der Hafen, der seit 2018 an der Börse notiert ist, hat eine jährliche Umschlagskapazität von ca. 10 Millionen Tonnen. Er ist besonders spezialisiert auf Schüttgut und Projektladung für die Schwarzmeer-Region.

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