Türkisches Innenministerium: Aufgaben, Struktur & Aktuelles
Inhaltsverzeichnis
Das Innenministerium der Türkei (T. C. İçişleri Bakanlığı) bildet das Rückgrat der inneren Sicherheit des Landes. Es ist nicht nur für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und des sozialen Friedens verantwortlich, sondern verwaltet auch zentrale zivile Bereiche wie Personenstandsdaten und Teile des Katastrophenschutzes.
Mit der klaren Vision einer „sicheren Türkei” koordiniert das Ministerium landesweit die Arbeit der Sicherheits- und Verwaltungsbehörden. Dazu gehören die Gendarmerie, die Generaldirektion für Sicherheit (Emniyet/EGM), die Küstenwache sowie die Migrationsverwaltung.

Überblick und Symbolik
In seiner heutigen Form existiert das Ministerium seit 1920 und spielt eine Schlüsselrolle in der türkischen Republik. Es setzt Gesetze um, steuert die Strafverfolgung und sichert die verfassungsmäßige Ordnung. Das Emblem des Ministeriums ist reich an Symbolik: Es zeigt 16 Sterne, welche die historischen türkischen Reiche repräsentieren. Diese sind um die Türkei-Karte und die türkische Flagge angeordnet, ergänzt durch ein Bild des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk.
Verbundene Sicherheitsbehörden und Personal
Das Ministerium vereint verschiedene Sicherheitsorgane unter einem Dach, um eine effiziente Koordination zu gewährleisten:
- Generaldirektion für Sicherheit (Emniyet/EGM): Die nationale Polizeibehörde, zuständig für städtische Gebiete.
- Gendarmerie (Jandarma): Eine paramilitärische Einheit, die für die Sicherheit in ländlichen Gebieten sorgt.
- Küstenwache (Sahil Güvenlik): Zuständig für die Sicherheit in den Hoheitsgewässern.
- Dorfwächter: Lokale Einheiten zur Sicherheitsunterstützung in ländlichen Regionen.
Aktuelle Personalstände:
Die Generaldirektion für Sicherheit (EGM) ist einer der größten Arbeitgeber im öffentlichen Dienst. Ende 2023 verzeichnete die Behörde rund 352.188 Beschäftigte, wobei der Großteil im aktiven Sicherheitsdienst tätig ist. Für das Jahr 2025 plant das Ministerium weitere Verstärkungen, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.
Geschichte und Entwicklung
Die Wurzeln der türkischen Innenverwaltung reichen tief in das Osmanische Reich zurück. Bereits im 17. Jahrhundert richtete der Großwesir ein Büro für innere Angelegenheiten ein. Bekannt als „Mülkiye Nezaret”, erlebte die Behörde insbesondere 1859 und 1913 tiefgreifende Reformen, die den Weg zur modernen Verwaltungsstruktur ebneten. In der Republik wurden diese Strukturen stetig angepasst, wobei die Reorganisation von 1983 das heutige Fundament legte.
Verwaltungsstruktur und Führung (2025)
Das Ministerium wird von einem Minister geleitet, der direkt vom Präsidenten ernannt wird. Seit Juni 2023 bekleidet Ali Yerlikaya dieses Amt. Ihm zur Seite stehen vier stellvertretende Minister („Bakan Yardımcıları”), die jeweils spezifische Ressorts verantworten.
Führungsebene (Stand: Dezember 2025):
- Minister: Ali Yerlikaya
- Stellvertretende Minister:
- Mehmet Aktaş
- Mehmet Sağlam
- Münir Karaloğlu
- Bülent Turan
Der Minister steht in direkter Verbindung zu den Gouverneuren der 81 Provinzen. Diese enge Vernetzung ermöglicht eine schnelle Reaktion auf lokale Ereignisse, was oft auch über Nachrichtensender wie NTV Türkei berichtet wird.

Kernaufgaben und Verantwortlichkeiten
Die Aufgaben des Ministeriums sind vielfältig und in der Verfassung sowie den Gesetzen fest verankert:
- Innere Sicherheit: Schutz der öffentlichen Ordnung, Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus.
- Verwaltung: Überwachung der Personenstandsregister (Geburten, Heiraten). Interessante Einblicke hierzu bietet die Heirats- und Scheidungsstatistik in der Türkei.
- Grenzschutz: Sicherung der Landesgrenzen und Küsten.
- Dokumentenwesen: Zuständigkeit für Staatsangehörigkeitsangelegenheiten und die Legalisierung ausländischer Dokumente.
- Katastrophenschutz: Koordination von Hilfsmaßnahmen bei Notfällen (AFAD).
Aktuelle Entwicklungen und Statistiken (2025)
Das Jahr 2025 bringt bedeutende Neuerungen für das Ministerium und seine Behörden:
- EGM-Rekrutierung 2025: Es wurde eine große Einstellungswelle angekündigt. Geplant sind 12.000 neue Polizeikräfte, aufgeteilt in 9.600 Absolventen mit Bachelorabschluss (8.160 Männer, 1.440 Frauen) und 2.400 mit Associate Degree (2.040 Männer, 360 Frauen).
- Neues Versetzungssystem: Im Jahr 2025 wurde ein neues, punktbasiertes Zuweisungssystem bei der Polizei (EGM) eingeführt. Am 26. Mai 2025 wurden im Rahmen dieses neuen Systems die Versetzungen für über 22.000 Beamte bekannt gegeben, was für mehr Transparenz und Gerechtigkeit bei den Dienstorten sorgen soll.
- Budget 2025: Die Regierung hat die finanziellen Mittel für die innere Sicherheit massiv aufgestockt. Im Haushaltsentwurf für 2025 sind für die inländischen Sicherheitsbedürfnisse (Innenministerium, Polizei, Gendarmerie etc.) rund 694,5 Milliarden TL (ca. 20 Mrd. US-Dollar) vorgesehen.
- Sicherheit an Feiertagen: Besonders an nationalen Anlässen wie den Feiertagen in der Türkei werden die Sicherheitsvorkehrungen landesweit verstärkt.
Kontakt zum Innenministerium
Für Bürger und Ausländer ist das Ministerium über verschiedene Kanäle erreichbar:
Adresse:
T. C. İçişleri Bakanlığı
Bakanlıklar / ANKARA
Telefon:
Zentrale: +90 (312) 422 40 00
Callcenter: 0 312 422 46 33–38
Offizielle Webseiten:
icisleri.gov.tr – Kontaktseite
egm.gov.tr (Polizei)
Beschwerden und Hinweise
Bürger können Anliegen oder Hinweise direkt online einreichen:
- Ministerium: Beschwerde- und Vorschlagsportal
- Polizei (EGM): Online-Anzeige/Hinweis (İhbar)
Wie kann ich dem Türkischen Innenministerium einen Bericht vorlegen?
Der effizienteste Weg ist die Online-Meldung. Nutzen Sie das offizielle Beschwerdeportal des Ministeriums oder die Hinweis-Seite der EGM. Wählen Sie die entsprechende Kategorie, schildern Sie den Sachverhalt detailliert und fügen Sie Beweise hinzu. Speichern Sie die Referenznummer für spätere Rückfragen.








