Ramadan in der Türkei: Daten, Traditionen & Reisetipps für Expats
Table of Contents
Mit dem ersten Gebetsruf nach Sonnenuntergang leert sich der Verkehr schlagartig, Bäckereien sind belagert, Familien eilen nach Hause. Ramadan verändert den Rhythmus der Türkei – jeden Abend, einen ganzen Monat lang.
Für Expats und Reisende wirft diese Zeit viele Fragen auf: Wann wird gefastet? Was bedeuten die leuchtenden Schriftzüge an den Moscheen? Und wie verhält man sich respektvoll, ohne selbst zu fasten? Hier finden Sie die Antworten – kompakt, praxisnah und vorbereitet auf die Situation in der Türkei.

Ramadan Kalender: Die wichtigsten Daten
Der islamische Kalender folgt dem Mond. Deshalb verschiebt sich Ramadan jedes Jahr um etwa elf Tage. Die folgenden Termine wurden offiziell von der türkischen Religionsbehörde Diyanet bestätigt:
- Beginn des Ramadan (erster Fastentag): Donnerstag, 19. Februar
- Kadir Gecesi (Nacht der Bestimmung): Nacht vom 16. auf den 17. März
- Letzter Fastentag (Arife): Donnerstag, 19. März (halber Feiertag)
- Ramazan Bayramı (Zuckerfest): 20. bis 22. März (Freitag bis Sonntag)
Warum der Ramadan in der Türkei besonders ist
In der Türkei verbindet sich religiöse Praxis mit osmanischer Alltagskultur. Ramadan – hier sagt man Ramazan – gilt als „On Bir Ayın Sultanı“, der Sultan der elf Monate. Die Stimmung ist weniger streng, dafür stark gemeinschaftlich.
Zentrum des Tages ist das Iftar, das Fastenbrechen. Kommunen organisieren große İftar-Zelte, in denen Tausende kostenlos essen. Herkunft, Einkommen oder Status spielen hier keine Rolle – man sitzt nebeneinander und teilt das Essen.

Vorbereitungen: Wenn die Küche wichtiger wird als der Kalender
Schon vor dem ersten Fastentag füllen sich Vorratskammern. Nicht aus Mangelangst, sondern aus Gastfreundschaft: Spontane Iftar-Gäste sind jederzeit willkommen.
- Sahur-Vorräte: Oliven, Eier, Joghurt und Käse sind Pflicht. Wer Abwechslung sucht, findet Inspiration bei den besten türkischen Käsesorten.
- Putzen & Schmücken: Wohnungen werden gründlich gereinigt. Lichterketten und „Hoşgeldin Ramazan“-Banner sind inzwischen ganz normal.
- Spenden: Supermärkte verkaufen fertige „Ramazan Paketi“, die gezielt für Bedürftige gekauft werden – eine gängige, sozial akzeptierte Form der Hilfe.
Lebendige Traditionen
Mahya: Leuchtende Botschaften zwischen Minaretten
Zwischen den Minaretten großer Moscheen erscheinen nachts Schriftzüge aus Licht. Diese Mahya gibt es nur in der Türkei. Die Texte wechseln im Laufe des Monats – von Begrüßung bis Abschied.

Ramazan Davulcusu: Der Trommler
Gegen 2 oder 3 Uhr morgens ziehen Trommler durch die Straßen und wecken die Menschen für das Sahur. Am Monatsende erhalten sie meist ein kleines Trinkgeld – eine stille Übereinkunft im Viertel.

Kulinarische Klassiker im Ramadan
Ramazan Pidesi
Dieses runde Fladenbrot gibt es nur im Ramadan. Tipp aus dem Alltag: Kurz vor Sonnenuntergang anstellen, aber nicht erst fünf Minuten vorher – sonst gehen viele leer aus.
Güllaç
Leicht, milchig, nicht zu süß. Güllaç wird fast ausschließlich in diesem Monat zubereitet. In guten Lokantas ist es meist schon früh am Abend ausverkauft.
Reisetipps für Expats und Touristen
- Öffentlich essen: In touristischen Gegenden völlig normal. In konservativen Vierteln besser diskret bleiben.
- Vorhänge in Restaurants: Kein Zeichen für Schließung, sondern Rücksicht auf Fastende.
- Verkehr: Rund 30–60 Minuten vor Iftar möglichst nicht fahren.
- Zuckerfest: Behörden und Banken geschlossen. Perfekte Zeit für Souvenirs und Süßigkeiten.
Besondere Orte in Istanbul
Sultanahmet und Eyüp Sultan sind die intensivsten Orte, um Ramadan zu erleben – vom stillen Nachmittagsgebet bis zum lebhaften Iftar auf den Wiesen.
Ramadan in der Türkei heißt: teilen, warten, zusammen essen. Selbst wer nicht fastet, spürt schnell, warum dieser Monat vielen als der menschlichste des Jahres gilt.








