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Ramadan in Turkey

Ramadan in der Türkei 2026: Traditionen, Daten & Reisetipps für Expats

12 Min. Lesezeit Aktualisiert: December 15, 2025

Wenn die Sonne über Istanbul untergeht und die belebten Straßen plötzlich in eine ehrfürchtige Stille verfallen, wissen Sie: Es ist Ramadan. Dieser heilige Monat ist in der Türkei weit mehr als nur religiöser Verzicht – er ist ein gesellschaftliches Ereignis, das Nachbarn verbindet, alte Traditionen belebt und die Nächte zum Tag macht.

Für Expats und Reisende wirkt diese Zeit oft geheimnisvoll. Wann genau beginnt das Fasten? Was hat es mit den beleuchteten Botschaften an den Moscheen auf sich? Und darf man als Nicht-Muslim tagsüber eigentlich essen? Wir blicken hinter die Kulissen der türkischen Ramadan-Kultur und bereiten Sie perfekt auf das Jahr 2026 vor.

Ramadan in der Türkei

Ramadan Kalender 2026: Die wichtigsten Daten

Der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond, weshalb sich die Daten jedes Jahr um etwa 11 Tage verschieben. Für das Jahr 2026 hat das türkische Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet) folgende Daten festgelegt:

  • Beginn des Ramadan (Erster Fastentag): Donnerstag, 19. Februar 2026
  • Kadir Gecesi (Die Nacht der Bestimmung): Nacht vom 16. auf den 17. März 2026
  • Letzter Fastentag (Arife): Donnerstag, 19. März 2026
  • Ramazan Bayramı (Zuckerfest): 20. März bis 22. März 2026 (Freitag bis Sonntag)

Ramadan in der Türkei

Reiseführer & Kalender 2026

Wichtige Daten 2026

Nach dem Mondkalender verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr. Hier sind die offiziellen Daten des Diyanet für 2026.

19. Feb 2026 Erster Fastentag
16. – 17. März Kadir Gecesi (Nacht der Bestimmung)
20. – 22. März Ramazan Bayramı (Zuckerfest)

Hinweis: Am ersten Tag des Bayram (20. März) bleiben viele Geschäfte geschlossen. Planen Sie Einkäufe rechtzeitig!

Mahya: Leuchtende Botschaften

Eine 400 Jahre alte Kunst: Zwischen den Minaretten der großen Moscheen schweben leuchtende Schriftzüge im dunklen Himmel. Früher Öllampen, heute elektrisch, begrüßen sie den “Sultan der elf Monate”.

Der Trommler (Davulcu)

Mitten in der Nacht (ca. 2:00 Uhr) ziehen Trommler durch die Gassen und singen “Mani”-Reime, um die Gläubigen zum Sahur (Frühstück vor Sonnenaufgang) zu wecken. Eine lebendige Nostalgie!

Diş Kirası (Zahnmiete)

Ein alter osmanischer Brauch: Gastgeber schenken ihren Gästen nach dem Essen etwas, als Dank dafür, dass diese ihre Zähne “abgenutzt” haben, um das angebotene Mahl zu essen.

Ramazan Pidesi

Vergessen Sie normales Brot! Dieses runde Fladenbrot mit Wabenmuster, Sesam und Schwarzkümmel gibt es nur im Ramadan. Die langen Schlangen vor den Bäckereien kurz vor 18:00 Uhr gehören zur Kultur.

Güllaç: Der süße Abschluss

Die leichte Alternative zu Baklava. Hauchdünne Maisstärkeblätter in gesüßter Milch und Rosenwasser, geschichtet mit Walnüssen und Granatapfelkernen. Ein Muss!

Reisetipps für Touristen

  • Essen in der Öffentlichkeit: In Touristenorten kein Problem. In konservativen Vierteln (z.B. Fatih) ist Zurückhaltung höflich.
  • Restaurant-Vorhänge: Viele Lokale verhängen Fenster tagsüber als Sichtschutz für Fastende – sind aber geöffnet!
  • Verkehr: Vermeiden Sie Taxis kurz vor Sonnenuntergang (Iftar-Zeit), da der Verkehr dann chaotisch ist.

Top Ort: Sultanahmet

Zwischen Hagia Sophia und Blauer Moschee versammeln sich Familien zum Picknick-Iftar auf den Wiesen. Eine magische Atmosphäre, wenn der Gebetsruf von beiden Seiten erschallt.

Warum der Ramadan in der Türkei einzigartig ist

In der Türkei verschmilzt der islamische Glaube mit der tief verwurzelten osmanischen Kultur. Das Ergebnis ist eine Atmosphäre, die weniger streng, dafür aber unglaublich gemeinschaftlich wirkt. Man nennt den Ramadan hier „Ramazan” und er wird oft als der „Sultan der elf Monate” (On Bir Ayın Sultanı) bezeichnet.

Das Herzstück ist das Iftar, das Fastenbrechen am Abend. Es ist kein schnelles Essen, sondern ein Festmahl, das oft stundenlang dauert. In vielen Stadtteilen stellen Kommunen riesige Iftar-Zelte (İftar Çadırı) auf, in denen Tausende Menschen kostenlos speisen. Hier sitzen der Geschäftsmann und der Straßenkehrer Schulter an Schulter – ein Symbol für absolute Gleichheit.

Bedeutung des Ramadan Iftar Essen

Die Vorbereitungen: Wenn die Küche zum Zentrum wird

Schon Wochen vor dem ersten Fastentag beginnt in türkischen Haushalten das große Vorbereiten. Es ist eine Zeit, in der die Vorratskammern gefüllt werden, als stünde ein langer Winter bevor – dabei geht es nur darum, für die spontanen Gäste am Iftar-Tisch bereit zu sein.

  • Der Sahur-Vorrat: Da das Frühstück vor Sonnenaufgang (Sahur) reichhaltig sein muss, decken sich Familien mit hochwertigen Oliven, Eiern und Käse ein. Ein Blick auf die besten türkischen Käsesorten lohnt sich, um Abwechslung auf den Tisch zu bringen.
  • Hausputz und Dekoration: Ähnlich wie vor Weihnachten werden die Wohnungen auf Hochglanz gebracht. In den letzten Jahren hat sich zudem der Trend etabliert, Wohnzimmer mit „Hoşgeldin Ramazan”-Bannern und Laternen zu schmücken.
  • Wohltätigkeit (Sadaka): Supermärkte bieten fertige „Ramazan Paketi” (Lebensmittelpakete) an. Diese kaufen Kunden nicht für sich selbst, sondern spenden sie an Bedürftige oder Mitarbeiter – eine Geste der Solidarität, die tief in der Kultur verankert ist.

Lebendige Traditionen: Zwischen Nostalgie und Moderne

Mahya: Die leuchtende Kunst der Osmanen

Blicken Sie nachts zu den Minaretten der großen Sultans-Moscheen (Selatin Camii) empor. Dort werden Sie leuchtende Schriftzüge sehen, die im dunklen Himmel schweben. Das ist Mahya.

Diese 400 Jahre alte Tradition ist weltweit einzigartig. Früher kletterten „Mahyacı” (Mahya-Meister) waghalsig auf die Minarette und spannten Seile mit hunderten von Öllampen, um Botschaften wie „Willkommen Ramadan” zu formen. Heute nutzen sie zwar elektrische Birnen, aber die Kunstform stirbt aus – es gibt nur noch eine Handvoll echter Meister in der Türkei, die diese Technik beherrschen. Die Botschaften wechseln im Laufe des Monats von Begrüßungen hin zu Abschiedsworten.

Mahya Lichter an Moschee Minaretten

Der Weckruf der Trommler (Ramazan Davulcusu)

In Zeiten von Smartphones und Weckern bräuchte eigentlich niemand mehr einen menschlichen Weckdienst. Doch die Türkei hält am Ramazan Davulcusu fest. Mitten in der Nacht, meist gegen 2:00 oder 3:00 Uhr morgens, ziehen Trommler durch die Gassen, um die Gläubigen für das Sahur-Essen zu wecken.

Dabei singen sie traditionelle Reime, sogenannte „Mani”. Früher war dies ein angesehener Beruf; heute ist es oft eine nostalgische Folklore, die von der Gemeinde mit kleinen Geldspenden (Trinkgeld) am Monatsende oder zur Mitte des Ramadan honoriert wird.

Traditioneller Ramadan Trommler

Diş Kirası: Die „Zahnmiete”

Eine fast vergessene, aber wunderschöne osmanische Tradition ist die „Zahnmiete” (Diş Kirası). Damals gaben reiche Gastgeber ihren Gästen nach dem Iftar ein Geschenk (oft Gold oder Silber) mit auf den Weg. Die Begründung: „Danke, dass ihr gekommen seid und eure Zähne abgenutzt habt, um mein Essen zu essen. Ihr habt mir die Ehre erwiesen, Gutes tun zu dürfen.”

Heute lebt dieser Brauch in abgewandelter Form weiter. Bei großen Iftar-Einladungen erhalten Gäste manchmal kleine Geschenke oder Süßigkeiten als moderne „Zahnmiete”.

Ramadan für Kinder: Das „Boot-Fasten”

Wie bringt man Kindern das Fasten bei, ohne sie zu überfordern? Die Antwort ist das Tekne Orucu.

Ursprünglich von „Tenkiye” (wenig essen) abgeleitet, wurde es volksetymologisch zum „Tekne” (Boot oder Trog). Kinder fasten dabei nur einen Teil des Tages – meist bis zum Mittag. So fühlen sie sich als vollwertiger Teil der Gemeinschaft und dürfen stolz am Sahur-Tisch sitzen, ohne ihre Gesundheit zu gefährden. Es ist ein spielerischer Einstieg in die Spiritualität.

Kinder beim Tekne Fasten

Kulinarische Highlights: Das schmeckt nach Ramadan

Es gibt zwei Dinge, die im türkischen Ramadan auf keinem Tisch fehlen dürfen. Wenn Sie in dieser Zeit in der Türkei sind, müssen Sie diese probieren:

1. Das heiße Ramazan Pidesi

Vergessen Sie das normale Baguette. Im Ramadan backen die Bäckereien ein spezielles rundes Fladenbrot mit einem Wabenmuster, bestreut mit Sesam und Schwarzkümmel. Der Duft von frischem Pide, der kurz vor Sonnenuntergang durch die Straßen zieht, ist der „Geruch des Ramadan”. Die langen Schlangen vor den Bäckereien um 18:00 Uhr gehören einfach dazu.

Frisches Ramadan Pide Brot

2. Güllaç: Der süße Abschluss

Baklava ist schwer und mächtig. Deshalb bevorzugen die Türken im Ramadan Güllaç. Dieses Dessert besteht aus hauchdünnen Maisstärkeblättern, die in gesüßter Milch und Rosenwasser getränkt und mit Walnüssen und Granatapfelkernen geschichtet werden. Es ist leicht, erfrischend und fast ausschließlich während des Fastenmonats erhältlich.

Güllaç Dessert mit Granatapfel

Reisetipps: Was Touristen beachten sollten

Viele Reisende fragen sich: „Kann ich während des Ramadan in die Türkei reisen?” Die Antwort ist ein klares Ja. Das Leben geht weiter, aber mit ein paar kulturellen Anpassungen:

  • Essen in der Öffentlichkeit: In touristischen Gebieten ist es kein Problem, draußen zu essen. In konservativeren Vierteln (wie Fatih in Istanbul) gilt es jedoch als höflich, nicht demonstrativ vor Fastenden zu essen, zu trinken oder zu rauchen.
  • Restaurant Vorhänge: Wundern Sie sich nicht, wenn manche Restaurants ihre Fenster tagsüber mit Vorhängen verhängen. Sie sind geöffnet, bieten den Fastenden draußen aber Sichtschutz vor den Essenden drinnen.
  • Iftar Verkehr: Vermeiden Sie es, kurz vor Sonnenuntergang mit dem Taxi oder Bus unterwegs zu sein. Der Verkehr ist dann chaotisch, da alle gleichzeitig nach Hause zum Essen wollen.
  • Das Fest danach: Das dreitägige Zuckerfest (Ramazan Bayramı) ist ein Nationalfeiertag. Banken und Behörden sind geschlossen. Es ist der perfekte Zeitpunkt, um Souvenirs oder Süßigkeiten für Freunde zu kaufen, da überall gefeiert wird.

Die besten Orte in Istanbul während des Ramadan

Wenn Sie im Ramadan in Istanbul sind, sollten Sie diese spirituellen Zentren besuchen, um die Stimmung hautnah zu erleben:

Der Sultanahmet-Platz

Zwischen der Hagia Sophia und der Blauen Moschee versammeln sich Familien zum Picknick-Iftar auf den Wiesen. Die Atmosphäre ist magisch, wenn der Gebetsruf von beiden Seiten erschallt.

Eyüp Sultan

Dies ist der konservativste und spirituellste Ort Istanbuls. Das Grab von Eyüp Sultan zieht Tausende Pilger an. Hier zu sein, bedeutet, den Ramadan in seiner ursprünglichsten Form zu erleben.

Der Ramadan in der Türkei ist eine Zeit der offenen Türen und Herzen. Egal ob Sie fasten oder nicht – ein frisch gebackenes Pide zu teilen und den Ruf des Muezzins in der Dämmerung zu hören, ist eine Erfahrung, die Sie nicht vergessen werden.

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