Türken in den Niederlanden: Einblicke in Kultur & Leben
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Stellen Sie sich vor: Ein türkischer Friseur in Rotterdam bestellt bei seinem Nachbarn, einem Shoarma-Laden, eine wilde Mischung aus Pommes, Fleisch und Käse. Das Ergebnis? Der „Kapsalon” – heute eines der beliebtesten Fast-Food-Gerichte der Niederlande. Nichts symbolisiert die Türken in den Niederlanden besser als diese Geschichte: Eine tief verwurzelte Verschmelzung zweier Kulturen, die weit über das Klischee des „Gastarbeiters” hinausgeht.
In diesem Artikel tauchen wir tief in die Realität der türkisch-niederländischen Gemeinschaft ein. Wir verzichten auf trockene Geschichtsstunden und blicken stattdessen auf die Menschen, die Zahlen und das echte Leben im Jahr 2025.

Einleitung: Mehr als nur Einwanderer
Die Zeiten, in denen türkische Bürger nur als temporäre Arbeitskräfte gesehen wurden, sind lange vorbei. Heute sind sie Unternehmer, Politiker, Künstler und Nachbarn. Die Gemeinschaft ist nicht homogen; sie ist eine lebendige Mischung aus konservativen Werten und modernem europäischem Lifestyle.
Der Kern dieser Gemeinschaft sind überwiegend Einwanderer der zweiten und dritten Generation. Ihre Großeltern kamen nach dem Zweiten Weltkrieg, oft mit der Absicht, zurückzukehren. Doch sie blieben und bauten sich ein neues Leben in Städten wie Rotterdam, Amsterdam und Den Haag auf.
Die Geschichte: Das Abkommen von 1964
Alles begann offiziell am 19. August 1964. An diesem Tag unterzeichneten die Niederlande und die Türkei das sogenannte Anwerbeabkommen (Wervingsverdrag). Die boomende niederländische Wirtschaft brauchte Hände, die Türkei brauchte Devisen.
Anders als in Deutschland, wo die „Gastarbeiter” oft in Fabrikwohnheimen lebten, folgte in den Niederlanden relativ schnell der Familiennachzug. Dies legte den Grundstein für eine dauerhafte Ansiedlung. Neben der Arbeitsmigration gab es spätere Wellen politischer Flüchtlinge, was die Gemeinschaft politisch und kulturell vielfältiger machte.
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Zahlen & Fakten: Wie groß ist die Gemeinschaft wirklich?
Lassen Sie uns einen Blick auf die aktuellen Daten des CBS (Centraal Bureau voor de Statistiek) werfen. Die Zahlen erzählen eine Geschichte von Wachstum und Verwurzelung:
- Gesamtbevölkerung: Schätzungen für 2024/2025 gehen von rund 460.000 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund aus. Das sind etwa 2,5 % der niederländischen Gesamtbevölkerung.
- Rotterdam – Die Hauptstadt der Türken: Rotterdam ist unangefochten das Zentrum. Hier leben über 47.000 Menschen türkischer Abstammung (ca. 8 % der Stadtbevölkerung).
- Amsterdam & Den Haag: Auch hier gibt es starke Communities mit jeweils über 40.000 Mitgliedern.
Interessant ist der Trend: Während die Zuwanderung aus der Türkei anhält (oft hochqualifizierte Expats und Studenten), ist die Geburtenrate der zweiten Generation mittlerweile ähnlich der der ethnischen Niederländer.
Kultur & Einfluss: Der „Euro-Türkische” Lifestyle
Die kulturelle Prägung ist im Alltag unübersehbar. Es geht nicht nur um Döner-Läden an der Ecke. Die türkische Gemeinschaft hat eine eigene Infrastruktur geschaffen:
- Kulinarik: Neben klassischen Gerichten sind Supermärkte voll mit türkischen Produkten. Der oben erwähnte „Kapsalon” ist mittlerweile niederländisches Nationalgut.
- Religion: Der Islam ist sichtbar und organisiert. Große Moscheen, oft architektonische Wahrzeichen, dienen nicht nur als Gebetsstätten, sondern als soziale Zentren. Besonders im Ramadan öffnen sich diese Gemeinschaften oft für Nachbarn aller Glaubensrichtungen.
- Künste & Literatur: Figuren wie die Schriftstellerin Halide Edip Adıvar mögen historisch sein, aber heute prägen niederländisch-türkische Rapper, Schauspieler und Autoren die Popkultur des Landes.
Wirtschaftsmotor: Vom Arbeiter zum Arbeitgeber
Ein oft übersehener Aspekt ist die ökonomische Kraft. Türkische Einwanderer der ersten Generation arbeiteten in Häfen und Fabriken. Ihre Enkel gründen Start-ups.
Untersuchungen zeigen, dass die Selbstständigenquote unter Türken in den Niederlanden hoch ist. Von der Reinigungsfirma bis zum Tech-Start-up – der Unternehmergeist ist stark ausgeprägt. Organisationen wie die Dutch Business Association Turkey vernetzen diese neuen Wirtschaftsführer und fördern den Handel zwischen beiden Ländern.
Diplomatische Vertretungen: Ihr direkter Draht
Für viele Türken in den Niederlanden bleibt der bürokratische Draht zur Heimat wichtig. Egal ob Passverlängerung oder Beglaubigungen, hier sind die offiziellen Anlaufstellen:
Die Türkische Botschaft in Den Haag
Die Botschaft ist das diplomatische Herzstück. Sie befindet sich in einer prestigeträchtigen Gegend von Den Haag.
- Adresse: Jan Evertstraat 15, 2514 BS Den Haag
- Telefon: +31 70 302 3100
Konsulate – Der praktische Tipp
Experten-Tipp: Sie müssen nicht immer nach Den Haag reisen. Die Türkei unterhält starke Generalkonsulate in anderen Städten, die oft schneller erreichbar sind:
- Rotterdam: Westblaak 2, 3012 KK Rotterdam (Zuständig für einen großen Teil der Community).
- Amsterdam: Museumplein 17, 1071 DJ Amsterdam.
- Deventer: Keizerstraat 8, 7411 HG Deventer.
Fazit: Eine gemeinsame Zukunft
Die Geschichte der Türken in den Niederlanden ist eine Erfolgsgeschichte mit Ecken und Kanten. Herausforderungen bei der Integration gibt es nach wie vor, doch die Verflechtung beider Kulturen ist unumkehrbar. Wer heute durch Rotterdam läuft, sieht keine „fremde” Kultur, sondern einen integralen Bestandteil der modernen niederländischen Identität.







