Gittigidiyor (eBay Türkei): Schließung, Geschichte & Alternativen
Table of Contents
Kaum ein Online‑Marktplatz hat den türkischen E‑Commerce so geprägt wie Gittigidiyor. Über mehr als zwei Jahrzehnte war die Plattform – lange als „eBay Türkei“ bekannt – für Millionen Nutzer die erste Adresse für Online‑Käufe. Heute ist die Seite offline, doch ihr Einfluss auf den digitalen Handel in der Türkei ist weiterhin spürbar.
Die Lücke, die Gittigidiyor hinterlassen hat, wurde schnell gefüllt. Der Markt ist professioneller, schneller und stärker reguliert als je zuvor.

Was war Gittigidiyor?
Gittigidiyor wurde 2001 gegründet und gehörte zu den ersten großen Online‑Marktplätzen der Türkei. Käufer und Verkäufer trafen hier direkt aufeinander – vom privaten Flohmarktangebot bis zum professionellen Marken‑Shop.
Der Erfolg blieb international nicht unbemerkt: eBay stieg zunächst mit einer Minderheitsbeteiligung ein und übernahm später rund 93 Prozent der Anteile. In der Hochphase nutzten rund 31 Millionen registrierte Kunden die Plattform, fast 100.000 Händler boten Produkte aus mehr als 50 Kategorien an. Diese Mischung aus Konzernen, KMU und Privatverkäufern machte Gittigidiyor lange einzigartig.
Warum wurde Gittigidiyor geschlossen?
Der Betrieb von Gittigidiyor wurde 2022 endgültig eingestellt.
eBay begründete den Rückzug mit dem extrem harten Wettbewerb im türkischen Markt. Lokale Plattformen wie Trendyol wuchsen schneller, investierten massiv in Logistik und Kundenbindung und ließen internationalen Anbietern immer weniger Spielraum.
Der Zeitplan der Schließung
Die Abwicklung erfolgte schrittweise:
- 20. Juni 2022: Keine neuen Artikel mehr für Verkäufer.
- 18. Juli 2022: Kaufabschlüsse wurden deaktiviert.
- 5. September 2022: Sperrung des Zugangs zu „Mein Konto“.
Für Händler bedeutete das: schneller Umzug auf andere Marktplätze, sonst drohte der komplette Umsatzverlust.
Der türkische E‑Commerce‑Markt heute
Der Wegfall von Gittigidiyor hat den Markt nicht gebremst. Laut dem türkischen Handelsministerium überschritt das E‑Commerce‑Volumen bereits die Marke von 3 Billionen TRY. Die offiziellen Berichte werden inzwischen ausschließlich in Türkischer Lira geführt – USD‑Schätzungen spielen keine Rolle mehr.
Der Markt wird von wenigen, sehr starken Plattformen dominiert:
- Trendyol: Klarer Marktführer mit eigener Logistik, stark in Mode, inzwischen aber echter Vollsortimenter.
- Hepsiburada: Einer der ältesten Anbieter, besonders beliebt für Technik und Elektronik, mit eigenem Premium‑Programm.
- Amazon Türkiye: Wächst kontinuierlich, punktet mit Service, Prime‑Vorteilen und verlässlicher Abwicklung.
- Sahibinden: Nummer eins für Kleinanzeigen, Immobilien und Fahrzeuge. Details finden Sie in unserem Leitfaden zu Sahibinden Deutsch.
Mobile Shopping nimmt weiter zu, auch wenn es dafür aktuell keine offiziellen Prozentzahlen gibt. Große Plattformen bieten in Metropolen wie Istanbul oder Ankara zudem schnelle Lieferoptionen an – oft noch am selben Tag, abhängig von Produkt und Stadtteil.
Beliebte Produktkategorien und Alternativen
Was früher bei Gittigidiyor gekauft wurde, verteilt sich heute auf spezialisierte Shops und große Marktplätze.
Elektronik & Technik
Hepsiburada und Amazon Türkiye gelten als erste Wahl für Smartphones, Computer und Zubehör. Wer Preise vergleichen will, findet in unserem Beitrag zu den iPhone 16 Preisen in der Türkei eine gute Orientierung.
Mode & Bekleidung
Trendyol dominiert diesen Bereich. Parallel verkaufen viele Hersteller direkt online. Einen Überblick bietet unser Artikel über die Top türkischen Hersteller von Jeans und Denim‑Bekleidung.
Wohnen & Heimtextilien
Türkische Heimtextilien sind international gefragt. Neben Marktplätzen sind Marken wie English Home oder Madame Coco stark. Inspiration liefert unsere Liste der Top 20 türkischen Heimtextilmarken.
Kosmetik & Drogerie
Online‑Bestellungen von Pflegeprodukten gehören inzwischen zum Alltag. Trendyol, Watsons und Gratis sind hier führend. Mehr dazu lesen Sie in Top‑Make‑up‑Läden in der Türkei.
Tipps für sicheres Online‑Shopping in der Türkei
- Große Plattformen nutzen: Sie bieten Käuferschutz und klare Rückgabeprozesse.
- Bewertungen lesen: Besonders bei Drittanbietern entscheidend.
- Sichere Zahlung: Kreditkarte mit 3D‑Secure ist Standard.
- Preise vergleichen: Akakçe oder Cimri sparen oft bares Geld.
Ein ausführlicher Praxisbericht findet sich in unserem Ratgeber Online‑Shopping in der Türkei.
Fazit: Ende einer Ära, neuer Alltag
Gittigidiyor ist Geschichte, aber sein Beitrag zum Aufbau des türkischen Online‑Handels bleibt. Der Markt ist heute konzentrierter, schneller und stärker reguliert. Mit Trendyol, Hepsiburada und Amazon stehen Käufern leistungsfähige Alternativen zur Verfügung. Wer sich auskennt, kauft auch ohne Gittigidiyor bequem, sicher und oft überraschend schnell ein.






