Gebrauchtwagen in der Türkei kaufen – Guide für Ausländer
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Ein Auto in der Türkei zu kaufen ist einfacher als viele denken – teuer wird es meist erst, wenn man Details übersieht. Gerade Ausländer stolpern häufig über Notarkosten, Steuern oder Versicherungsregeln. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie der Gebrauchtwagenkauf in der Türkei funktioniert, welche Kosten realistisch sind und worauf Sie unbedingt achten sollten.

Marktüberblick: Gebrauchtwagen in der Türkei
Der türkische Gebrauchtwagenmarkt bleibt auch Anfang 2026 extrem aktiv. Neuwagen sind wegen hoher Sonderverbrauchssteuer (ÖTV) und Mehrwertsteuer (KDV) für viele unerschwinglich. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach gebrauchten Fahrzeugen – jedes Jahr wechseln mehrere Millionen Autos den Besitzer.
Das Angebot reicht vom einfachen Stadtauto bis zur fast neuen Oberklasse-Limousine. Preisentscheidend sind Baujahr, Kilometerstand, Motorisierung und vor allem die Unfallhistorie (Tramer kaydı). Fahrzeuge ohne Schadenseintrag und ohne Nachlackierungen erzielen deutlich höhere Preise. Vorteil lokaler Produktion: Marken wie Fiat (Tofaş) oder Ford Otosan – beide zählen zu den größten Unternehmen in der Türkei – punkten mit günstigen Ersatzteilen und dichter Werkstattabdeckung.
Als Ausländer können Sie grundsätzlich jedes regulär zugelassene Fahrzeug kaufen und auf Ihren Namen anmelden. In den meisten Fällen erhalten Sie ganz normale türkische Kennzeichen. Sonderregelungen wie steuerfreie Fahrzeuge mit MA- bzw. Mavi-Plaka gelten nur für klar definierte Personengruppen.

Wichtige Hinweise für den Autokauf
- Benzin oder Diesel: Anfang 2026 liegen die Kraftstoffpreise in Istanbul bei etwa 53,0–53,2 TL für Benzin und 54,3–54,5 TL für Diesel pro Liter. Der frühere Kostenvorteil von Diesel ist praktisch verschwunden. Entscheiden Sie nach Fahrprofil, nicht nach Spritpreis.
- Kennzeichen: Für dauerhaft in der Türkei lebende Ausländer sind normale türkische Kennzeichen die beste Wahl. Fahrzeuge mit MA- bzw. Mavi-Plaka lassen sich nur eingeschränkt weiterverkaufen.
- Sichere Zahlung: Zahlen Sie ausschließlich über das bankgestützte Güvenli Ödeme Sistemi oder direkt beim Notar. Im Verwendungszweck sollten Kennzeichen und der Hinweis „Araç satış bedeli“ stehen.
- Pflichtversicherung: Die Zorunlu Trafik Sigortası ist gesetzlich vorgeschrieben und muss vor bzw. spätestens beim Notartermin aktiv sein. Details finden Sie im Beitrag zur Kfz-Versicherung in der Türkei.
- Expertiz nicht überspringen: Eine unabhängige Oto Ekspertiz ist Standard. Lackmessung, Fahrwerk, Motor und Elektronik werden geprüft – oft für wenig Geld, aber mit großem Nutzen.
- Beliebte Modelle: Fiat Egea, Renault Clio oder Toyota Corolla gelten als wertstabil und wartungsfreundlich. Wer asiatische Marken bevorzugt, findet Alternativen bei Herstellern wie Kia – mehr dazu unter Kia in der Türkei.
- Steuern: Die ÖTV ist im Gebrauchtwagenpreis enthalten. Die jährliche Kraftfahrzeugsteuer (MTV) wird im Januar und Juli fällig. Klären Sie vor dem Kauf, ob der Verkäufer bereits gezahlt hat.
- Führerschein: Ein ausländischer Führerschein ist ab Einreise sechs Monate gültig. Danach ist eine Umschreibung Pflicht. Die Gesamtkosten für Klasse B liegen Anfang 2026 bei 8.869,60 TL (inkl. Harç, wertvollem Papier und Stiftungsanteil).
Wo Sie Gebrauchtwagen finden
1. Online-Plattformen
Die wichtigste Plattform ist Sahibinden. Millionen Inserate, starke Filter und transparente Historienabfragen machen die Suche effizient. Alternativ bietet arabam.com einen fokussierten Fahrzeugmarkt ohne Immobilienanzeigen.
2. Oto Pazarı
Wochenend-Automärkte sind in vielen Städten beliebt. Vorteil: direkte Besichtigung und Verhandlung. Nachteil: ohne Expertiz sollten Sie hier nichts kaufen.
3. Händler und Galerien
Autohändler (Galericiler) sitzen oft in großen Autozentren. Der Preis ist meist höher als beim Privatkauf, dafür besteht eine gesetzliche Gewährleistung – ein echter Pluspunkt.
Der Kaufprozess: Schritt für Schritt
Passt das Auto und liegt ein sauberer Expertiz-Bericht vor, folgt der formelle Teil.
- Notartermin: Jeder Fahrzeugverkauf erfolgt zwingend beim Notar.
- Dolmetscher: Ohne Türkischkenntnisse ist ein vereidigter Dolmetscher Pflicht. Rechnen Sie mit 1.500–2.500 TL für die mündliche Begleitung. Hintergrundinfos bietet unser Leitfaden zur Beglaubigung in der Türkei.
- Notarkosten: Seit Anfang 2026 gilt ein neues System. Die Gebühr beträgt 0,2 % des Kaufpreises (mindestens 1.000 TL) plus Servicegebühr. Bei einem Auto für 500.000 TL liegen die Gesamtkosten meist bei 2.870–2.970 TL.
- Schuldencheck: Der Notar prüft automatisch offene Steuern oder Bußgelder. Ohne Ausgleich kein Verkauf.
- Ruhsat: Nach Abschluss erhalten Sie sofort den neuen Fahrzeugschein.
Versicherung und Kennzeichen
Die Versicherung des Vorbesitzers endet automatisch. Schließen Sie Ihre Haftpflicht noch am selben Tag ab. Neue Kennzeichen kosten je nach Provinz und Anbieter etwa 500–1.000 TL.
Steuerfreie Fahrzeuge für Ausländer („Tax-Free“)
Diplomaten, NATO-Angehörige, ausländische Presse, Rentner mit Wohnsitz sowie Inhaber einer Arbeitserlaubnis können unter bestimmten Bedingungen steuerfreie Fahrzeuge (MA-/Mavi-Plaka) erwerben.
Vorteil: Keine ÖTV und KDV.
Nachteil: Verkauf nur an berechtigte Ausländer, oft hohe Kaution beim Touring-Club (Turing).
Wie hoch sind die Notarkosten beim Autokauf?
Seit der Reform Anfang 2026 betragen die Kosten 0,2 % des Kaufpreises (mindestens 1.000 TL) plus Servicegebühr. Insgesamt liegen sie meist zwischen 2.000 und 3.000 TL.
Kann ich als Ausländer jedes Auto in der Türkei kaufen?
Ja. Mit gültiger Aufenthaltserlaubnis können Sie jedes regulär zugelassene Fahrzeug kaufen und erhalten normale türkische Kennzeichen.
Was kosten Benzin und Diesel aktuell?
Anfang 2026 liegen die Preise in Istanbul bei rund 53 TL für Benzin und etwa 54–55 TL für Diesel pro Liter. Schwankungen sind üblich.








