Türkische Möbel: Import-Guide, Preise & Top-Marken
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Vergessen Sie China. Die neue Werkbank für bezahlbaren Luxus liegt vor der Haustür Europas.
Türkische Möbel erleben derzeit einen Boom, der nicht nur auf Design, sondern auf harter Ökonomie basiert. Während Lieferketten aus Fernost teurer und unzuverlässiger werden, positioniert sich die Türkei als das Produktionszentrum für Europa. Die Qualität ist oft vergleichbar mit italienischen Standards, aber zu einem Bruchteil des Preises.
Doch der Import ist kein Selbstläufer. Wer blind bestellt, zahlt drauf – sei es durch den Zoll, Transportschäden oder fehlende Zertifikate. Dieser Leitfaden nimmt die Praktiker-Perspektive ein: Wir zeigen Ihnen nicht nur, was Sie kaufen sollen, sondern wie Sie es ohne Kopfschmerzen nach Hause bekommen.

Marktanalyse 2025: Warum jetzt importieren?
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Die türkische Möbelindustrie hat sich vom reinen Nachahmer zum globalen Trendsetter gewandelt. Mit einem Exportvolumen von über 4,5 Milliarden US-Dollar (Stand 2024) gehört die Türkei mittlerweile zu den Top 8 der weltweiten Möbel-Exporteure. Das Ziel für 2025 ist ambitioniert: Die 5-Milliarden-Marke soll geknackt werden.
Die größten Abnehmer weltweit sind:
- Deutschland: Der wichtigste europäische Markt. Deutsche Kunden schätzen das Preis-Leistungs-Verhältnis.
- USA: Steigende Nachfrage nach türkischem Design als Alternative zu asiatischer Ware.
- Irak & Naher Osten: Traditionell starke Absatzmärkte.
Warum dieser Anstieg? Türkische Hersteller investieren massiv in Design und Technologie. Anders als früher, als oft nur kopiert wurde, bieten Marken wie Lazzoni oder Enza Home heute eigenständige, moderne Kollektionen an, die auf internationalen Messen Preise gewinnen.
Für Sie als Käufer bedeutet das: Sie bekommen Massivholz, hochwertige Samtstoffe und langlebige Beschläge oft 30–50 % günstiger als bei vergleichbaren europäischen Marken.

Praxis-Guide: Import, Zoll und Fallstricke
Hier scheitern die meisten Privatkäufer. Ein günstiger Preis im türkischen Online-Shop ist wertlos, wenn der Zoll die Ware an der Grenze festhält oder die Nachzahlung den Preisvorteil auffrisst. Hier sind die Fakten für den Import nach Deutschland (und die EU):
Der wichtigste Zettel: Das A. TR-Zertifikat
Zwischen der EU und der Türkei besteht eine Zollunion. Das bedeutet: Es fallen in der Regel keine Zölle an.
Aber: Das gilt nur, wenn die Ware von einer sogenannten A. TR-Warenverkehrsbescheinigung begleitet wird. Bestehen Sie beim Verkäufer unbedingt auf dieses Dokument. Ohne A. TR kann der deutsche Zoll die regulären Drittlandszölle erheben.
Die Kosten-Wahrheit
Auch wenn der Zoll wegfällt, müssen Sie die Einfuhrumsatzsteuer zahlen. In Deutschland sind das aktuell 19 %. Kalkulieren Sie also:
- Kaufpreis + Versandkosten
- Darauf 19 % Einfuhrumsatzsteuer (wird meist vom Spediteur bei Lieferung kassiert)
- Evtl. Abwicklungsgebühr der Spedition
Pro-Tipp: Klären Sie VOR dem Kauf, ob der Shop “DDP” (Delivered Duty Paid) anbietet. Dann sind alle Abgaben bereits im Endpreis enthalten und Sie haben keinen Stress bei der Zustellung.
Versand & Risiko
Möbel reisen nicht gern. Transportschäden sind das größte Risiko beim Direktimport. Achten Sie auf Erfahrungsberichte zur Verpackung. Große Shops wie CaddeYıldız haben oft bessere Logistikpartner als kleine Händler. Prüfen Sie die Ware sofort bei Ankunft im Beisein des Fahrers. Spätere Reklamationen sind bei internationalen Lieferungen extrem schwierig.

Die Kuratierte Liste: Wo Sie 2025 kaufen sollten
Der Markt ist riesig und unübersichtlich. Wir haben die Spreu vom Weizen getrennt. Hier sind drei Anbieter für unterschiedliche Bedürfnisse:
1. Armonna Furniture (Der Großhändler)
Armonna ist kein klassischer Einzelhändler, sondern ursprünglich ein Hersteller, der seit 2004 am Markt ist. Ihre Stärke liegt in kompletten Sets (Schlafzimmer, Esszimmer). Wer ein ganzes Haus einrichten will, kann hier oft bessere Konditionen aushandeln als im Einzelhandel. Die Webseite armonnafurniture.com dient als digitaler Showroom.
2. CaddeYıldız (Der “Alles-Könner”)
CaddeYıldız ist einer der bekanntesten Online-Möbelriesen der Türkei. Das Sortiment ist gigantisch – von günstigen Einsteigermodellen bis zu Hochglanz-Luxus. Sie sind erfahren im Export, was die Abwicklung erleichtert. Aber Achtung: Wie bei jedem Riesen gibt es auch hier gelegentlich Beschwerden über Lieferverzögerungen. Planen Sie Puffer ein.
3. Moebel-lux (Die sichere deutsche Option)
Wer sich den Stress mit Zoll und Auslandstransport sparen will, greift zu einem Importeur mit Sitz in Deutschland. Moebel-lux (Sitz in Singen) bietet türkische Möbelmarken mit deutschem Servicerecht an. Das ist oft etwas teurer als der Direktimport, aber Sie haben einen Ansprechpartner im Land, falls mal eine Schraube fehlt oder der Stoff reisst.
Marken-Check: Was lohnt sich?
Es gibt unzählige Hersteller, aber konzentrieren Sie sich auf diese bewährten Namen, wenn Sie Qualität suchen:
- Enza Home (Yataş Group): Der aktuelle Star am Himmel. Modernes, “skandinavisches” Design mit türkischer Handwerkskunst. Sehr beliebt in europäischen Haushalten.
- Lazzoni: Das Premium-Segment. Wer italienische Qualität (und Preise) sucht, ist hier richtig. Lazzoni hat Showrooms in New York und London – das ist Weltklasse-Niveau.
- Istikbal & Bellona: Die “Volkswagens” unter den türkischen Möbeln. Solide, weit verbreitet, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, aber selten Design-Innovationen.
- Alfemo: Stark im Bereich Jugendzimmer und funktionale Möbel.
Mehr Informationen zu den einzelnen Herstellern finden Sie in unserem detaillierten Leitfaden zu türkischen Möbelmarken.

Welche Möbel lohnen den Import?
Nicht alles rechnet sich. Bei günstigen Kleinmöbeln fressen die Versandkosten den Vorteil auf. Der Import lohnt sich besonders bei:
- Kompletten Sets: Ein vollständiges Schlafzimmer (Bett, Schrank, Kommode) oder Wohnzimmer-Ensemble. Hier ist die Ersparnis enorm.
- Polstermöbeln: Türkische Sofas sind berühmt für ihre Stoffqualität und robuste Bauweise.
- Hochzeits-Paketen (“Düğün Paketi”): Viele türkische Händler bieten extrem rabattierte Pakete für Neuverheiratete an, die eine ganze Wohnungsausstattung umfassen.
Fazit
Der Import türkischer Möbel ist 2025 eine der klügsten Entscheidungen für qualitätsbewusste Sparfüchse. Die Qualität stimmt, das Design ist international konkurrenzfähig geworden. Aber seien Sie realistisch: Planen Sie Zeit für den Transport ein, bestehen Sie auf dem A. TR-Zertifikat und rechnen Sie die 19 % Einfuhrumsatzsteuer immer auf den Preis drauf. Wer diese Hausaufgaben macht, kann sein Zuhause luxuriös einrichten – zum Preis von Standardware.






