Notar & Apostille in der Türkei: Der komplette Leitfaden
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Wer in der Türkei lebt, arbeitet oder investiert, lernt schnell eine unvermeidliche Wahrheit kennen: Ohne den „Noter” (Notar) bewegt sich nichts. Ob Sie eine Wohnung mieten, ein Auto kaufen oder Ihre Diplome anerkennen lassen wollen – der Weg führt fast immer durch die Drehtür eines Notariats.
Doch für viele Expats beginnt die eigentliche Verwirrung erst danach. Was genau ist eine Apostille? Warum reicht die Unterschrift des Notars allein oft nicht aus? Und die wichtigste Frage: In welcher Reihenfolge müssen Sie welche Behörde aufsuchen, damit Sie nicht weggeschickt werden?
Vergessen Sie veraltete Informationen. Dieser Leitfaden führt Sie durch den aktuellen Stand für 2025 und zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Dokumente in der Türkei rechtssicher machen – effizient und ohne Kopfschmerzen.
Die Grundlagen: Notar vs. Apostille
Bevor wir in den Prozess eintauchen, müssen wir ein grundlegendes Missverständnis ausräumen. Viele verwechseln die notarielle Beglaubigung mit der Apostille. Hier ist der Unterschied:
- Der türkische Notar (Noter): Bestätigt, dass eine Kopie dem Original entspricht oder dass eine Unterschrift echt ist. Sein Siegel ist innerhalb der Türkei gültig.
- Die Apostille: Ist ein zusätzlicher Überbeglaubigungs-Stempel, der ein offizielles türkisches Dokument für das Ausland gültig macht. Sie bestätigt die Echtheit der Unterschrift des Notars oder Beamten.
Die Faustregel für Expats:
Wenn Sie ein türkisches Dokument (z. B. Geburtsurkunde, notarielle Vollmacht) in Deutschland oder einem anderen Land nutzen wollen, brauchen Sie zwingend eine Apostille. Nutzen Sie das Dokument nur innerhalb der Türkei (z. B. Mietvertrag für die Ausländerbehörde), reicht meist der Notar.
Der 3-Schritte-Prozess: So machen Sie türkische Dokumente international fit
Sie haben ein Dokument in der Türkei und müssen es im Ausland vorlegen? Halten Sie sich strikt an diese Reihenfolge, um unnötige Wege zu vermeiden:
Schritt 1: Vereidigte Übersetzung (Yeminli Tercüme)
Dokumente, die nicht auf Türkisch sind (oder für das Ausland in eine andere Sprache übersetzt werden sollen), müssen zuerst zu einem vereidigten Übersetzer (Yeminli Tercüman). Normale Übersetzungsbüros reichen hier nicht aus.
Schritt 2: Notarielle Beglaubigung (Noter Tasdiki)
Mit der Übersetzung gehen Sie zum Notar. Der Notar beglaubigt die Unterschrift des Übersetzers.
Wichtig: Der Übersetzer muss bei genau diesem Notar registriert sein. Fragen Sie Ihr Übersetzungsbüro immer, mit welchem Notar sie zusammenarbeiten.
Schritt 3: Die Apostille (Das Finale)
Jetzt haben Sie ein notariell beglaubigtes Dokument. Damit es im Ausland anerkannt wird, müssen Sie zum Bezirksgouverneur (Kaymakamlık) oder Gouverneur (Valilik). Dort erhalten Sie die Apostille.
Der Clou: Dieser Schritt ist in der Regel gebührenfrei, aber Sie müssen physisch dorthin gehen. Achten Sie darauf, dass der Notar und das Kaymakamlık im selben Bezirk liegen.
Wer stellt die Apostille aus? (Zuständigkeiten 2025)
In der Türkei hängt die Zuständigkeit von der Art des Dokuments ab. Gehen Sie zur falschen Behörde, werden Sie weggeschickt.
| Art des Dokuments | Zuständige Behörde für Apostille |
|---|---|
| Verwaltungsdokumente (Geburtsurkunden, Diplome, notarielle Übersetzungen, Vollmachten) | Kaymakamlık (Bezirksgouverneur) oder Valilik (Gouverneur) |
| Gerichtliche Dokumente (Scheidungsurteile, Gerichtsbeschlüsse) | Adli Yargı Adalet Komisyonu (Präsidium der Justizkommission bei schweren Strafgerichten) |
Häufige Anwendungsfälle für Expats
Mietverträge & Aufenthaltserlaubnis (Ikamet)
Für Ihren Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis (Ikamet) benötigen Sie einen Mietvertrag. Dieser muss notariell beglaubigt sein. Eine Apostille ist hierfür nicht notwendig, da das Dokument einer türkischen Behörde (Göç İdaresi) vorgelegt wird.
Update 2025: Die Behörden prüfen Adressen inzwischen sehr streng. Es kann vorkommen, dass Ihr Vermieter persönlich beim Notar erscheinen muss, um den Vertrag zu unterzeichnen.
Geburts- und Heiratsurkunden
Wenn Sie ausländische Urkunden (z. B. deutsche Geburtsurkunde) in der Türkei nutzen wollen, müssen diese bereits in Ihrem Heimatland apostilliert worden sein. Die Türkei kann keine Apostille auf ein ausländisches Original setzen.
Der Workaround: Haben Sie die Apostille im Heimatland vergessen? Oft akzeptieren türkische Behörden das Dokument, wenn Sie es von Ihrem Konsulat in der Türkei beglaubigen lassen und diese Beglaubigung anschließend vom türkischen Außenministerium oder Gouvernement legalisieren lassen (ein oft teurerer und längerer Weg).
Vollmachten (Vekaletname)
Wenn Sie einem Anwalt in der Türkei eine Vollmacht erteilen (z. B. für Immobilienkauf), geschieht dies direkt beim türkischen Notar. Wollen Sie diese Vollmacht jedoch aus dem Ausland in die Türkei schicken, müssen Sie sie im Ausland notariell beglaubigen und dort zwingend apostillieren lassen. Ohne Apostille ist eine ausländische Vollmacht in der Türkei wertloses Papier.
Das digitale Zeitalter: E-Apostil
Die Türkei digitalisiert ihre Bürokratie rasant. Über das Portal www.eapostil.gov.tr können Sie für bestimmte Dokumente eine elektronische Apostille beantragen. Das spart Ihnen den Gang zum Amt.
Aktuell verfügbare Dokumente (Stand 2025):
- Strafregisterauszüge (Adli Sicil Kaydı)
- Gerichtsurteile (Mahkeme Kararları)
- Personenstandsurkunden (Nüfus Kayıt Örneği) – Neu hinzugefügt!
Die E-Apostille besitzt einen verifizierbaren QR-Code und wird international anerkannt, sofern das Empfängerland technisch dazu in der Lage ist, elektronische Apostillen zu prüfen.
Was, wenn mein Land nicht Teil des Haager Abkommens ist?
Ist das Zielland nicht Teil des Haager Apostille-Übereinkommens (z. B. Kanada, China, viele arabische Staaten), wird es komplizierter. Das vereinfachte Apostille-Verfahren greift hier nicht. Stattdessen müssen Sie den Weg der Legalisation gehen:
- Übersetzung und notarielle Beglaubigung in der Türkei.
- Beglaubigung durch das türkische Gouvernement (Valilik).
- Endbeglaubigung durch das Konsulat des Ziellandes in der Türkei.
Dieser Prozess dauert länger und ist oft mit höheren Gebühren bei den jeweiligen Konsulaten verbunden.
Fazit: Vorbereitung spart Zeit
Die türkische Bürokratie ist besser als ihr Ruf, aber sie verzeiht keine Formfehler. Prüfen Sie vor jedem Behördengang genau: Brauche ich das Dokument für das Inland (nur Notar) oder für das Ausland (Apostille)? Nutzen Sie wo möglich die E-Apostille, um Zeit zu sparen, und achten Sie bei Übersetzungen penibel auf die korrekte Schreibweise aller Namen – ein Buchstabendreher kann eine erneute kostenpflichtige Beglaubigung bedeuten.








