Blumen aus der Türkei importieren: Der Experten-Leitfaden für den Handel
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Überlegen Sie, Blumen aus der Türkei zu importieren? Gute Entscheidung. Die Türkei ist ein absolutes Kraftzentrum für Schnittblumen – insbesondere für Nelken aus der Region Antalya. Aber lassen Sie uns ehrlich sein: Der Import von verderblicher Ware ist kein Hobbyprojekt. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.
Hier ist die Realität: Die Qualität der türkischen Blumen ist erstklassig, aber wenn Ihre Logistik oder Ihre Papiere nicht stimmen, haben Sie am Ende nur teuren Kompost. In diesem Leitfaden streichen wir das theoretische Gerede und konzentrieren uns auf das, was in der Praxis zählt: Phytosanitäre Zertifikate, die richtige Kühlkette und wie Sie Lieferanten finden, die wirklich exportfähig sind.

Warum Blumen aus der Türkei? (Der Markt-Check)
Der türkische Blumenexport boomt. Im Jahr 2024 exportierte die Türkei Zierpflanzen und Blumen im Wert von über 140 Millionen Dollar, wobei Nelken (Karanfil) den Löwenanteil ausmachen. Die Hauptabnehmer sind traditionell die Niederlande und Großbritannien, aber auch der deutsche Markt wird immer wichtiger.
Warum ist das für Sie relevant? Weil Sie direkt an der Quelle kaufen können, oft zu deutlich besseren Preisen als über europäische Zwischenhändler. Doch der Direktimport erfordert Vorbereitung. Wenn Sie verstehen wollen, wie sich die türkische Wirtschaft aktuell entwickelt, werfen Sie einen Blick auf die Außenhandelsindizes der Türkei.
Die Hürde #1: Das Phytosanitäre Zertifikat
Vergessen Sie für einen Moment den Preis. Das wichtigste Dokument beim Blumenimport in die EU ist das Phytosanitäre Zertifikat (Pflanzengesundheitszeugnis). Ohne dieses Papier kommt keine einzige legale Schnittblume über die EU-Grenze.
- Was ist es? Eine amtliche Bestätigung, dass die Ware frei von Schädlingen und Krankheiten ist.
- Wer stellt es aus? In der Türkei wird dies von den örtlichen Landwirtschaftsbehörden (Tarım ve Orman Bakanlığı) ausgestellt.
- Der Praxis-Tipp: Viele kleine lokale Floristen in der Türkei haben keine Exportlizenz und können dieses Zertifikat nicht besorgen. Arbeiten Sie nur mit professionellen Exportteuren zusammen, die diesen Prozess kennen. Fragen Sie im ersten Gespräch: ” Können Sie das Phyto-Zertifikat für den EU-Export bereitstellen?” Wenn die Antwort zögerlich ist: Finger weg.
Wie Sie echte Lieferanten finden
Es reicht nicht, ” Blumen kaufen Türkei” zu googeln. Sie brauchen Partner, die logistisch in der Lage sind, eine Kühlkette bis nach Deutschland, Österreich oder die Schweiz aufrechtzuerhalten. Die Region Antalya ist das Herz der türkischen Schnittblumenproduktion.
Statt sich auf zufällige Webseiten zu verlassen, sollten Sie:
- Messen besuchen: Fachmessen in Istanbul oder Antalya sind der beste Ort für den Erstkontakt.
- Verbände nutzen: Kontaktieren Sie die ” Turkish Ornamental Plants and Products Exporters’ Association”. Dort finden Sie Listen verifizierter Exporteure wie die Turkish Flower Group, die Erfahrung mit den strengen EU-Auflagen haben.
- Referenzen prüfen: Fragen Sie nach Referenzkunden in Europa. Ein seriöser Lieferant hat nichts zu verbergen.
Achten Sie bei der Planung Ihrer Geschäftsreisen auch auf die Feiertage in der Türkei, da Behörden und Büros an diesen Tagen geschlossen sind.
Zahlung und Währung: Der ” Street Smart” Ansatz
Verhandlungen finden oft in Euro oder US-Dollar statt, selten in Türkischer Lira, um Währungsschwankungen zu umgehen. Seien Sie vorsichtig bei Vorkasse an unbekannte Lieferanten. Ein Akkreditiv (Letter of Credit) oder eine Anzahlung mit Restzahlung bei Erhalt der Dokumentenkopie ist im B2B-Geschäft üblicher.
Ein wichtiges Detail für Ihre Finanzabteilung: Da PayPal in der Türkei nicht operiert, müssen Sie alternative Wege nutzen. Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel über PayPal-Alternativen in der Türkei.

Logistik: LKW vs. Luftfracht
Hier entscheidet sich, ob Ihre Blumen frisch ankommen. Für den Export nach Europa (Deutschland, Niederlande) ist der Kühl-LKW (Frigofirik) der Standard, nicht das Flugzeug und selten das Schiff.
- LKW (Road Freight): Dauert ca. 5–7 Tage von Antalya nach Mitteleuropa. Kostengünstiger und zuverlässig, solange die Temperatur (meist 2–4 Grad Celsius) konstant überwacht wird.
- Luftfracht: Nur notwendig für extrem empfindliche Ware oder Ziele außerhalb Europas (USA, Fernost). Teuer, aber schnell.
- Seefracht: Für Schnittblumen riskant und selten genutzt, außer für sehr große Mengen robuster Ware oder Zwiebeln. Die langen Laufzeiten gefährden oft die Qualität.
Pro-Tipp: Bestehen Sie auf Temperatur-Loggern im LKW. Sie wollen einen Nachweis, dass die Kühlkette nie unterbrochen wurde.
Zoll und Steuern: Das müssen Sie wissen
Der Import aus der Türkei in die EU genießt dank der Zollunion viele Vorteile, aber Blumen fallen oft unter landwirtschaftliche Regelungen. Prüfen Sie, ob für Ihre spezifische Blumensorte ein EUR.1 Warenverkehrsbescheinigung notwendig ist, um Zollbegünstigungen zu erhalten.
Steuerliche Aspekte
Wenn Sie Blumen aus der Türkei exportieren, sind diese in der Türkei in der Regel von der Mehrwertsteuer (KDV) befreit (Exportausfuhr). Sie zahlen die Einfuhrumsatzsteuer erst bei der Einfuhr in Ihr Zielland (z. B. Deutschland). Dies verbessert Ihren Cashflow erheblich.
Qualitätskontrolle vor Ort
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wenn Sie große Mengen abnehmen, beauftragen Sie einen unabhängigen Inspektor in der Türkei, der die Ware vor dem Verladen prüft. Achten Sie auf:
- Einheitliche Stiellänge und Kopfgröße.
- Freiheit von Schädlingen (entscheidend für den Zoll!).
- Richtige Verpackung für den langen LKW-Transport.
Der Import von Blumen aus der Türkei ist ein lukratives Geschäft für Profis, die ihre Hausaufgaben machen. Mit den richtigen Partnern und einem Auge für logistische Details können Sie Ihren Kunden Frische bieten, die Supermarkt-Ware weit in den Schatten stellt.






